Thema des Tages

Todesfahrt von Münster Mann psychisch labil / Krach um AfD-Äußerungen / Bundesinnenminister Seehofer am Tatort

Polizei entdeckt Täterbrief

Münster.Die Amokfahrt mit insgesamt drei Toten in Münster war womöglich die Tat eines psychisch labilen Mannes. Es gebe keine Hinweise auf ein politisches Motiv oder weitere Täter, teilte die Polizei mit. Der Mann habe sich in einem langen Schreiben auch zu Suizid-Gedanken geäußert. Der 48-Jährige, der am Samstagnachmittag in eine Menschenmenge vor einem Lokal in Münster gerast war, soll Kontakt zum Gesundheitsamt der westfälischen Stadt gehabt haben.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sprach von einem „feigen Verbrechen“. Mindestens drei der mehr als 20 Verletzten schwebten gestern zunächst noch in Lebensgefahr.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) lobte die Besonnenheit und Solidarität der Münsteraner. Er wünsche sich, dass „diese besondere Münsteraner Erfahrung einer Friedensstadt“ auch diejenigen erreiche, die „ganz schnell wieder das Hetzen begonnen haben“. Für die Angehörigen der Opfer sei es egal, welche Religion der Täter habe.

Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch hatte kurz nach der Tat das Merkel-Zitat „Wir schaffen das“ in Großbuchstaben mit einem wütenden Gesichtsausdruck (Emoji) auf Twitter verbreitet. Gestern schrieb sie: „Ein Nachahmer islamischen Terrors schlägt zu. Und die Verharmlosungs- und Islam-ist-Vielfaltsapologeten jubilieren.“ Grüne und Linkspartei warfen ihr vor, „moralisch kaputt“ zu sein und kein Mitgefühl zu haben.

Nach Informationen von WDR, NDR und „Süddeutscher Zeitung“ soll der Amokfahrer in dem Schreiben an Bekannte aufgearbeitet haben, was in seinem Leben schiefgelaufen sei. In der Wohnung des 48-Jährigen im sächsischen Pirna sei außerdem ein älteres, 18-seitiges Schreiben entdeckt worden. Darin verarbeite der Mann Kindheitserlebnisse und frühe, von ihm als demütigend empfundene Erfahrungen durch die Eltern. dpa