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Pandemie Corona-Beschlüsse der hessischen Landesregierung / 111 neue Infektionsfälle im Kreis

Präsenzpflicht an Schulen bis Ende Januar ausgesetzt

Wiesbaden/Bergstraße.Die neuen verschärften Corona-Regeln in Hessen gelten ab dem 11. Januar zunächst bis zum Ende des Monats. Das hat das Corona-Kabinett der hessischen Landesregierung am Mittwoch in Wiesbaden beschlossen. Danach dürfen sich künftig nur noch Angehörige eines Haushalts mit maximal einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person im öffentlichen Raum treffen. Der Lockdown mit der Schließung zahlreicher Geschäfte war zunächst bis zum 10. Januar befristet gewesen.

Bund und Länder hatten sich am Vortag wegen der anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen auf nochmals schärfere Kontaktregeln verständigt (wir berichteten). Bislang gilt, dass der Aufenthalt im öffentlichen Raum nur alleine oder mit den Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes bis zu einer Gruppengröße von höchstens fünf Menschen gestattet ist. Dazugehörige Kinder bis zum Alter von einschließlich 14 Jahren bleiben unberücksichtigt. Für den privaten Raum gilt in Hessen eine dringliche Empfehlung, diese Vorgaben einzuhalten.

Weitreichende Maskenpflicht

Seit Mitte Dezember sind wegen der Corona-Pandemie zahlreiche Geschäfte und Dienstleister auch in Hessen geschlossen. Auch Freizeit- und Kultureinrichtungen mussten dicht machen. Es gilt eine weitreichende Maskenpflicht, unter anderem in Geschäften, Bussen und Bahnen sowie in einigen Fußgängerzonen. Besuche in Krankenhäusern, Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen bleiben unter strengen Vorgaben möglich.

Schüler der Klassen 1 bis 6 in Hessen müssen bis Ende Januar nicht für den Unterricht an die Schulen kommen. Die Präsenzpflicht werde für sie ausgesetzt, für Schüler ab Klasse 7 werde mit Ausnahme von Abschlussklassen grundsätzlich Distanzunterricht angeboten, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Mittwoch in Wiesbaden. In dieser Woche sind noch Weihnachtsferien in Hessen.

Notbetreuung möglich

Damit ist für jüngere Schüler ab Montag (11.1.) noch eine Art Notbetreuung in den Schulen möglich, wenn Eltern arbeiten gehen müssen und sich nicht zu Hause um sie kümmern können. Sie würden dann in der Schule in festen Lerngruppen unterrichtet, sagte Lorz. „Ich appelliere aber an alle Eltern, ihre Kinder – wann immer möglich – im Sinne der Kontaktreduzierung zu Hause zu behalten.“ Schüler in Abschlussklassen sollten unter Einhaltung des Mindestabstands weiter unterrichtet werden, sagte Lorz.

Damit setzt Hessen für die Schulen den Weg fort, den das Land Mitte Dezember eingeschlagen hatte. Auch damals war die Präsenzpflicht für die jüngeren Schüler bis zum Beginn der Weihnachtsferien ausgesetzt worden.

Unterdessen sind gestern 1913 weitere Coronavirus-Infektionen nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Hessen registriert worden. Die Gesamtzahl der Fälle stieg damit auf 142 925. Landesweit 3211 Todesfälle in Hessen werden mit dem Erreger in Verbindung gebracht, das sind 116 mehr als am Vortag.

Die neuen Corona-Kontaktbeschränkungen sorgen bei Hessens Kommunen für Unverständnis und offene Fragen. Es werde in den Kommunen „schon kritisch diskutiert, dass diese Möglichkeit, Beschränkungen mit einem Bewegungsradius von 15 Kilometern vorzusehen, erstens nur schwer kontrollierbar ist, und dass die Einzelheiten völlig unklar sind, wer es denn macht“, sagte der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, David Rauber, am Mittwoch in Mühlheim der Deutschen Presse-Agentur. Unbestritten sei aber die Notwendigkeit, die Corona-Infektionszahlen zu senken.

Der Kreis Bergstraße hat gestern 111 neue Corona-Fälle registriert – unter anderem aus Heppenheim (19), Lampertheim (18), Viernheim (17), Bürstadt (12), Bensheim (11), Lorsch (4), Lindenfels (2) und Zwingenberg (1).

Pflegeeinrichtungen betroffen

Aktuell betroffen sind vor allem Pflegeeinrichtungen – nach Mitteilung des Kreises jeweils eine in Bensheim, Heppenheim, Lampertheim, Lindenfels und Lorsch. Mit dem nach Feiertagen und Jahreswechsel wieder anhaltend hohen Infektionszahlen wird die sogenannte Inzidenz – die Zahl der Fälle auf 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage – morgen auf 138,68 steigen.

Fünf weitere Todesfälle gab es gestern im Zusammenhang mit der Pandemie. Damit steigt die Zahl der Opfer im Kreis auf 127. In Bürstadt sind zwei Menschen im Alter von 80 und 82 Jahren gestorben, in Lampertheim eine 81-jährige Person, in Lorsch eine 82-jährige und in Viernheim eine 80-jährige Person.

In den Bergsträßer Krankenhäusern werden 68 Patienten behandelt. Darunter sind 51 mit einer festgestellten Infektion. Bei neun liegt ein Verdacht auf eine Corona-Erkrankung vor. dpa/seg

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