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Feuer Unglück wie in Krefeld auch in hiesigen Tierparks denkbar

Räumung von Zoos bei Feuer kaum möglich

Archivartikel

Rhein-Neckar/Krefeld.Der Brand im Krefelder Zoo, bei dem in der Silvesternacht 30 Tiere starben, ist weitgehend aufgeklärt. Eine Frau aus Krefeld und ihre zwei erwachsenen Töchter stellten sich der Polizei. Die drei Frauen im Alter zwischen 30 und 60 Jahren hatten mehrere Himmelslaternen aufsteigen lassen, von denen eine offenbar das Feuer im Affenhaus ausgelöst haben soll. Himmelslaternen sind in Nordrhein-Westfalen seit 2009 – und mittlerweile in allen deutschen Bundesländern – verboten.

Vor dem Krefelder Zoo versammelten sich am Donnerstag zahlreiche Menschen und trauerten um die verstorbenen Affen. Derweil trafen Zuspruch und Mails aus ganz Deutschland bei dem Tierpark ein. „Die Unterstützung der Bevölkerung – emotional wie finanziell – überwältigt uns“, teilte Zoosprecherin Petra Schwinn mit.

Mit Notfallplänen und Übungen bereiten sich die Tierparks in der Region auf mögliche Brände vor. So verfügt der Heidelberger Zoo über ein Alarmierungskonzept, in das Mitarbeiter und Rettungskräfte eingebunden sind. Der Zoologische Stadtgarten Karlsruhe, in dem im November 2010 ein Feuer 26 Tiere tötete, besitzt in manchen Gebäuden eine Brandmeldeanlage. Ein Rauchmeldesystem hatte sich dagegen als wenig sinnvoll erwiesen, da es regelmäßig zu Fehlalarmen kam. Die Evakuierung von Wildtieren sei schwierig, sagte Zoodirektor Matthias Reinschmidt, da beispielsweise Raubkatzen zunächst aufwendig narkotisiert werden müssten.

Auch sei es fraglich, ob ein Tierpfleger ein brennendes Gebäude noch betreten dürfe, erklärte Christine Kurrle vom Frankfurter Zoo und ergänzte: „Es gilt immer die goldene Regel: Der Schutz des Menschen steht immer vor dem Schutz des Tieres.“ Jens-Ove Heckel, Direktor des Landauer Zoos, stellte klar: „Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen gibt es keinen hundertprozentigen Schutz.“

Der Hamburger Soziologe Marcel Sebastian erklärte im Interview mit dieser Zeitung, warum der Tod der Affen in Krefeld so viele Menschen berührt. Einige Tiere, dazu gehörten Haustiere und Menschenaffen, „sehen wir als individuelle Persönlichkeiten“, sagt der Experte.

Dazu kämen besondere Rahmenbedingungen, die die Anteilnahme noch einmal verstärkt hätten. „Dass sich der Brand in der Silvesternacht ereignet hat und es davor eine Diskussion über die Gefährlichkeit von Silvesterfeuerwerk gab, spielt sicher eine Rolle“, sagt Sebastian. Zudem seien als wehrlos und unschuldig wahrgenommene Tiere in einem Feuer umgekommen. Das erinnere die Menschen an ihre eigene Verletzlichkeit. Nutztieren wie Schweinen und Legehennen gegenüber gebe es hingegen „eine enorme kulturelle Gleichgültigkeit“. (mit dpa)

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