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Corona-Krise Bergsträßer Krankenhäuser haben erste Covid-19-Patienten aufgenommen / EU lockert Defizitregeln wegen Sorge um wirtschaftliche Folgen der Pandemie

Regierung beschließt Milliarden-Hilfen

Archivartikel

Wiesbaden/Bergstraße.Das Kreiskrankenhaus in Heppenheim und das Heilig-Geist-Hospital haben Vorbereitungen für die Aufnahme von Covid-19-Patienten getroffen. In Bensheim sind auch bereits die ersten Corona-Patienten eingeliefert worden. Sie liegen auf der Intensivstation.

Die Corona-Krise diktiert in ganz Hessen weiter das Geschehen. Ein Großteil der Bürger halte sich an die jüngst erlassene Kontaktbeschränkung für Menschen, um die Ausbreitung des Virus zu verzögern, berichtete die Polizei.

Die Hessen dürfen gestern grundsätzlich nur noch alleine oder zu zweit aus dem Haus gehen und sich in der Öffentlichkeit aufhalten. Ausnahmen gibt es für Familien oder andere in einem Haushalt lebende Personen sowie für Leute, die geschäftlich und dienstlich notwendigerweise gemeinsam unterwegs sein müssen. Bis gestern hatten sich in Hessen 1352 Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 angesteckt. Das waren 85 bestätigte Fälle mehr im Vergleich zum Sonntag, wie das Sozialministerium mitteilte. Vier Menschen sind gestorben.

Die Abiturprüfungen an den Schulen sind auch nach der Verschärfung der Schutzmaßnahmen fortgesetzt worden. Gestern standen Arbeiten in mehreren Leistungskursen auf dem Programm, darunter Deutsch, Kunst, Musik, Politik und Wirtschaft sowie Religion und Sport. Der Krankenstand der Schüler habe etwas höher als in den Vorjahren gelegen, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums in Wiesbaden. Es gebe auch Kritik, aber die Mehrzahl der Schüler wolle die Abiturprüfungen weiter schreiben. Heute sind Arbeiten in Latein und Spanisch geplant. Für das Abitur wurde zum Schutz vor Infektionen ein Sicherheitsabstand zwischen den Schülern bei den Prüfungen eingerichtet.

Die Bundesregierung will mit milliardenschweren Hilfsprogrammen Arbeitsplätze und Unternehmen retten. Dafür beschloss das Kabinett einen Nachtragshaushalt mit der Rekordsumme von 156 Milliarden Euro. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde per Telefon zugeschaltet werden – wegen Kontakts mit einem Corona-Infizierten ist sie in Quarantäne.

Leichter Optimismus bei Experten

Wegen der Krise werden die europäischen Schulden- und Defizitregeln ausgesetzt. Die EU-Wirtschafts- und Finanzminister billigten einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission. Dies soll den EU-Staaten freie Hand für Hilfspakete geben. Der Pakt von 1997 legt fest, dass das Haushaltsdefizit höchstens drei Prozent und der Schuldenstand höchstens 60 Prozent der Wirtschaftskraft eines Landes betragen dürfen. Die „allgemeine Ausgleichsklausel“ wurde 2011 nach der Wirtschafts- und Finanzkrise eingefügt, um in Krisen mehr Handlungsspielräume zu erlauben. Wegen der Corona-Pandemie kämpfen viele Unternehmen um ihre Existenz. Ökonomen und die Bundesregierung rechnen mit einer Rezession.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat sich vorsichtig optimistisch gezeigt, dass sich der Anstieg der Coronavirus-Fallzahlen in Deutschland bereits leicht abschwächt. „Wir sehen den Trend, dass die exponentielle Wachstumskurve sich etwas abflacht“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. dpa

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