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Software Christian Klein weist Datenschutzbedenken zurück / „Regierung geht während Pandemie behutsam vor“

SAP-Chef verteidigt Corona-App

Mannheim/Walldorf.SAP-Chef Christian Klein (Bild) hat Kritik am Nutzen und Datenschutz der Corona-App abgewehrt. „Die App kann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass wir die Krise in Deutschland schneller überwinden und zur Normalität zurückkehren. Das erfordert allerdings auch, dass viele Menschen diese App nutzen“, sagte Klein in einem Interview mit dieser Redaktion. „Nur dann bringt sie etwas.“

Die Bundesregierung hat SAP und die Deutsche Telekom beauftragt, eine Corona-Warn-App zu entwickeln. Sie soll helfen, Infektionsketten nachzuverfolgen. Dazu erfasst das Programm, welche Smartphones einander nahegekommen sind – und warnt Nutzer, wenn sich später herausstellt, dass sie sich neben infizierten Personen aufgehalten haben. Klein erklärte, man habe sich an den höchsten Datenschutzvorgaben orientiert. „Ich bin zuversichtlich, dass wir Datenschutz und Benutzerfreundlichkeit unter einen Hut bekommen.“ Die App soll Mitte Juni erhältlich sein.

Klein begrüßte die Lockerungen in der Corona-Pandemie. „Je länger der Lockdown anhält, desto schädlicher wird es natürlich für die Wirtschaft. Das wiederum hat Auswirkungen auf unseren Sozialstaat“, sagte er. Der SAP-Chef erklärte weiter, er beneide die Politiker derzeit nicht. „Aber die Regierung macht das sehr, sehr gut. Sie geht behutsam vor, kommuniziert sehr viel.“

Der 40-jährige Klein, der aus Mühlhausen im Rhein-Neckar-Kreis stammt, ist seit Mitte April alleiniger Chef von Europas größtem Softwarekonzern. Co-Vorstandssprecherin Jennifer Morgan hatte das Unternehmen überraschend verlassen. Aufsichtsratsvorsitzender Hasso Plattner erklärte auf der virtuellen Hauptversammlung am Mittwoch per Videobotschaft, die Diskussion über die Strategie von SAP sei langsamer vorangekommen als gedacht. Deshalb habe man sich für eine Person an der Spitze entschieden. Die Lesart, dass Morgan gehen musste, weil sie eine Frau ist, wies Plattner zurück.

Klein befindet sich derzeit wie die meisten der weltweit 100 000 SAP-Mitarbeiter wegen der Corona-Pandemie im Homeoffice. „Hätte ich gewusst, dass ich einmal so viel Zeit im Homeoffice verbringen würde, hätte ich mich für ein größeres Zimmer entschieden“, sagte er. „Mein aktuelles ist tatsächlich zehn Quadratmeter groß. Ich habe schon mit meiner Frau verhandelt, ob ich vielleicht umziehen darf.“ Zeit mit seiner Familie zu verbringen, sei ihm wichtig. Erst vor Kurzem ist Klein zum zweiten Mal Vater geworden.

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