Thema des Tages

Anschlag Nach dem Angriff auf eine Synagoge in Halle unterstreicht Innenminister Seehofer die besondere Verantwortung Deutschlands

„Schande für unser ganzes Land“

Halle/Mannheim.Der Todesschütze von Halle wollte mit seinem Terrorangriff auf eine Synagoge nach Einschätzung der Ermittler ein Massaker anrichten und Nachahmer für rechtsextremistische und antisemitische Taten finden. Mit einem Bekennervideo und „Manifest“ im Internet sei es dem Schützen um weltweite Wirkung gegangen, teilten Generalbundesanwalt Peter Frank und Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) in einer gemeinsamen Stellungnahme am Donnerstag in Karlsruhe mit. Innenminister Horst Seehofer (CSU) versprach am Donnerstag in Halle, „dass die Juden in unserem Land ohne Bedrohung, ohne Angst leben können“.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sprach von einer „neuen Qualität des Rechtsextremismus“. Nach dem Fund von vier Kilo Sprengstoff im Fluchtwagen des mutmaßlichen Attentäters gehen die Ermittler davon aus, dass der 27-jährige Deutsche noch mehr Menschen töten wollte. Juden im Südwesten reagierten besorgt auf die Tat in Sachsen-Anhalt. Der Vorsitzende des Oberrats der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, Rami Suliman, sagte dieser Zeitung: „Das Sicherheitsgefühl in den Gemeinden ist am Boden.“ Den Staat forderte er auf, den jüdischen Gotteshäusern bei der Verstärkung von Sicherheitsvorkehrungen wie etwa Panzerglas zu helfen.

Gemeinden fordern mehr Schutz

Generalbundesanwalt Peter Frank beantragte am Donnerstag Haftbefehl gegen Stephan B. wegen zweifachen Mordes und versuchten Mordes in neun Fällen. Er war am Mittwoch festgenommen worden, nachdem er vor der Synagoge eine 40-Jährige und in einem nahe gelegenen Döner-Imbiss einen 20 Jahre alten Mann erschossen hatte. Zuvor hatte er versucht, die Synagoge mit Waffengewalt zu stürmen. Auf der Flucht verletzte der Täter zudem eine 40-jährige Frau und deren 41 Jahre alten Mann mit Schüssen.

Seehofer sagte: „Dieses brutale Verbrechen gestern ist eine Schande für unser ganzes Land. Bei unserer Geschichte darf so etwas in Deutschland eigentlich nicht passieren.“ Deutschland habe der ganzen Welt nach dem Zweiten Weltkrieg einen Schwur abgegeben: „Nie wieder.“ In Sachsen-Anhalt bekämen die Synagogen ab sofort Polizeischutz.

Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mannheim, Rita Althausen, hat an das Innenministerium Baden-Württemberg appelliert, schnell für Sicherheit der Synagogen zu sorgen. Vor einigen Monaten habe es eine Bestandsaufnahme der Sicherheitsvorkehrungen der zehn Gemeinden in Baden gegeben. „Wir erwarten, dass dem jetzt schnell Taten folgen, also wir Hilfe bei den nötigen baulichen Maßnahmen bekommen“, so Althausen. Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz betonte: „Dass sich Menschen wegen ihres jüdischen Glaubens um ihre Sicherheit sorgen, ist unerträglich. Ich möchte deshalb einmal mehr unterstreichen, dass die Jüdische Gemeinde integraler Bestandteil unserer Stadtgesellschaft ist und sich auf die Solidarität der Mannheimerinnen und Mannheimer verlassen kann.“ dpa/pre/pwr

Zum Thema