Thema des Tages

Experte Wähler bestraft unglaubwürdigen Schlingerkurs

Schulz und die SPD fallen ins Umfrage-Loch

Mannheim.Eine Woche nach der verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen setzt sich die Abwärtsspirale der SPD und ihres Kanzlerkandidaten Martin Schulz unvermindert fort. Bei der aktuellen Sonntagsfrage der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen verloren die Sozialdemokraten zwei Punkte und gaben auf 27 Prozent nach. Dagegen verbesserten sich CDU/CSU von 37 auf 38 Prozent.

Die FDP erzielte mit acht Prozent (plus zwei) den höchsten Wert seit sieben Jahren. Die Linke kam unverändert auf neun Prozent, Grüne und AfD verloren jeweils einen Punkt und landeten bei sieben Prozent. Damit gäbe es derzeit eine Mehrheit für eine große Koalition aus Union und SPD oder eine Regierung aus CDU/CSU, Grünen und FDP.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) konnte ihren Vorsprung auf Schulz deutlich ausbauen: Nach 50 Prozent Ende April wünschten sich jetzt 57 Prozent erneut Merkel als Kanzlerin. Für Schulz als Regierungschef sprachen sich 33 Prozent aus - vor drei Wochen waren es noch 37 Prozent gewesen.

Andrea Wolf, Vorstandsmitglied der Forschungsgruppe, führte die aktuellen Werte für SPD und Schulz auf die schlechten Ergebnisse der Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und NRW zurück. Außerdem hätten sich die Sozialdemokraten zu sehr auf das Thema soziale Gerechtigkeit konzentriert. In einer "ARD"-Umfrage meinten 68 Prozent der Befragten, das Thema sei zu unkonkret. Sie kritisierten, die Partei sage nicht genau, was sie dafür machen wolle.

Der Mannheimer Politikwissenschaftler Thomas König führt den Sinkflug der SPD und ihres Kanzlerkandidaten auf deren "Schlingerkurs" zurück. "Die Wähler merken, dass es da einen gewissen Opportunismus gibt", sagte er. Mit der Kritik an der Agenda 2010 habe Schulz eine alte Wunde der SPD schließen wollen. Aber gegenwärtig sei das kein Thema für die Mehrheit der Wähler, die politisch in der Mitte stehen würden. Schulz habe inzwischen auf die Wahlniederlagen reagiert und konzentriere sich nun auf Bildung und Innovation. "Mit diesem Hin und Her von links zur Mitte macht er sich aber unglaubwürdig."