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Seriöse Informationen sind wichtiges Gut

Archivartikel

Das neuartige Coronavirus ist seit fast einem Jahr in der Welt, und doch müssen in der Pandemie immer neu Entscheidungen getroffen werden. Über Kontakt- und Reiseverbote, über Maskenpflicht und ganz aktuell, angesichts der Fortschritte beim Mainzer Unternehmen Biontech, über die Verteilung eines Impfstoffes, wenn es ihn denn bald gibt. Der Staat greift mit vielen Maßnahmen tief in die Persönlichkeitsrechte jedes Einzelnen ein. Nicht immer ist das rechtskonform, wie Gerichtsurteile gezeigt haben. Die Bürger haben so oder so das Recht, ihr Missfallen zu äußern, sie können auch anderer Meinung sein und diese öffentlich kundtun.

Problematisch wird es jedoch dann, wenn der Eindruck entsteht, hier argumentiere eine Mehrheit. Das entspricht nicht der Wahrheit, sondern folgt lediglich der häufig zu beobachtenden Logik, „wer am lautesten schreit, hat recht“. Der Rest schweigt. Oder ist beunruhigt. So geschehen in der vergangenen Woche, als es hieß, die Vertreter dieser Minderheiten-Meinung, die so genannten Querdenker, würden Kinder auf dem Weg zur Schule ansprechen. Dass es diesen Plan eigentlich gar nicht gab, spielt keine Rolle. Perfider ist die gezielte Verunsicherung, die die Verbreitung der Nachricht bei Schulen, Lehrkräften, Eltern, Kindern hervorgerufen hat.

Die „Querdenken“-Aktion, die keine war, beweist im Übrigen die Wirkungsmacht sozialer Medien. Tausendfach wurde hier ein Ereignis „geteilt“, wie es so schön heißt, von dem niemand wusste, wer es in die Welt gesetzt hatte. Aber durch die immer größere Verbreitung und die Brisanz des Inhalts blieb am Ende selbst Polizei und Ministerien nichts anderes übrig, als darüber zu „informieren“. Das ist gefährlich. Die sozialen Medien sind nämlich weniger sozial, als es der Name nahelegt, geht es hier doch oft nicht um Austausch mit anderen (Meinungen), sondern darum, sich in „seinen“ Foren in den eigenen Ansichten bestätigen zu lassen. Doch diese „Meinung“ wird nicht „wahrer“, je öfter sie wiederholt wird. Es sind auch keine Medien im engeren Sinne, weil sie keine Qualitätskriterien erfüllen müssen. Dazu zählt beispielsweise, die Glaubwürdigkeit von Quellen zu überprüfen und zwischen Nachricht und Meinungsbeitrag zu trennen.

Verlässliche Gesundheitsinformationen zu finden, ist wichtiger denn je – mit diesen Worten lädt das Bundesgesundheitsministerium zu einer Pressekonferenz heute, am Dienstag, ein. Liebe Leserinnen und Leser, bitte lesen Sie in seriösen Medien, wie diese Informationen aussehen!

 
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