Thema des Tages

Politbarometer Mehrheit für Jamaika-Koalition möglich / Rennen um Platz drei

SPD pirscht sich ran, Union schwächelt

Mannheim.Gut eine Woche vor der Bundestagswahl hofft die SPD auf einen Ausweg aus dem Umfragekeller. Die Union hat im aktuellen Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen leicht an Zustimmung eingebüßt. CDU und CSU kommen auf 36 Prozent, das sind zwei Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche. Die SPD gewinnt dagegen einen Punkt und liegt bei 23 Prozent.

"Man kann davon ausgehen, dass die Union als stärkste Partei aus der Wahl hervorgeht", sagte Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen dieser Zeitung. Den dritten Platz teilen sich AfD und FDP (beide zehn), die beide jeweils einen Prozentpunkt hinzugewinnen. Linke (neun) und Grüne (acht) halten das Ergebnis der Vorwoche.

Bei der Frage, wer der nächste Bundeskanzler werden soll, steht nach wie vor Angela Merkel (CDU) in der Wählergunst ganz oben. 56 Prozent der Deutschen sprachen sich für eine weitere Amtszeit aus. SPD-Herausforderer Martin Schulz wünschen sich lediglich 32 Prozent als nächsten Regierungschef.

Özdemir will verhandeln

Während das Rennen um Platz eins den Demoskopen zufolge entschieden ist, ringen die kleineren Parteien um eine zentrale Rolle bei der Regierungsbildung nach dem 24. September. Der Spitzenkandidat der Grünen, Cem Özdemir, sagte dieser Zeitung: "Der Blick richtet sich jetzt auf die Frage, wer das Korrektiv für die Union ist." Käme es von rechts mit der FDP oder "ist es grün, pro Klimaschutz und pro europäisch?"

Der aus Baden-Württemberg stammende Özdemir räumte aber ein, dass es schwierige Verhandlungen mit der Union geben könnte. "Das wird nicht einfach mit der CDU, und dann gibt es ja auch immer noch die buckelige Verwandtschaft von der CSU." Viele in der Union wollten lieber mit der FDP eine Koalition bilden.

Die Liberalen stehen einem Bündnis mit den Grünen skeptisch gegenüber. "Die Grünen haben sich von Jamaika längst mit Maximalforderungen verabschiedet", sagte FDP-Chef Christian Lindner "Spiegel online". Özdemirs Partei setze nur auf Schwarz-Grün oder Opposition.

Dem neuesten Politbarometer zufolge würde momentan eine großen Koalition oder eine Jamaika-Koalition (Union, FDP und Grüne) eine absolute Mehrheit bekommen. Jamaika habe aber eine viel geringere Zustimmung in der Bevölkerung als eine große Koalition, sagte Wahlforscher Jung. Für ein Bündnis von Union und Grüne würde es rechnerisch nicht reichen.