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Sozialdemokratie Kommissarische Vorsitzende Malu Dreyer pocht auf neue Strukturen und bessere Umgangsformen in der Partei

SPD verharrt im Umfragekeller

Archivartikel

Mainz/Mannheim.Auch während der Suche nach neuen Vorsitzenden steckt die SPD im Umfragetief fest. Die Partei verbesserte sich laut Politbarometer der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen vom Freitag nur leicht. In der Umfrage kommt sie auf 14 Prozent (plus eins) und liegt damit nur knapp vor der AfD, die 13 Prozent erzielt.

Die kommissarische SPD-Vorsitzende Malu Dreyer verteidigte unterdessen im Gespräch mit dieser Zeitung das umfassende Bewerbungsverfahren für den Spitzenposten. „Wir müssen ehrlich sein und unterscheiden: Was ist jetzt wichtig für die Partei, um wieder auf die Füße zu kommen?“, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin. Es gelte nun, eine neue Struktur zu bekommen. „Dazu gehört Klarheit über unser neues Führungsduo“, betonte sie.

„Unfair und unsolidarisch“

Malu Dreyer hatte zunächst gemeinsam mit Thorsten Schäfer-Gümbel und Manuela Schwesig nach dem Rückzug von Andrea Nahles im vergangenen Jahr die Parteiführung übernommen. Zum Scheitern von Nahles sagte Dreyer: „Wir Sozialdemokraten sind oftmals zu kritisch mit den Führungskräften. Und der Umgang mit Andrea Nahles war darüber hinaus unfair und unsolidarisch.“ Nahles hatte angekündigt, in diesem Monat auch ihr Bundestagsmandat abzugeben. Dreyer bezeichnete die ehemalige Partei- und Fraktionschefin als „absolut integere“ Persönlichkeit. „Andrea Nahles fehlt der Partei – und sie fehlt mir persönlich“, so Dreyer. Die kommissarische SPD-Chefin hat keine Ambitionen auf eine Karriere in Berlin. „Ich habe 2021 Wahlen in Rheinland-Pfalz. Ich konzentriere mich voll auf das Amt als Ministerpräsidentin“, unterstrich die gebürtige Pfälzerin.

Im Vergleich zur SPD konnten die Unionsparteien in der Umfrage der Forschungsgruppe stärker zulegen. CDU und CSU kämen auf 29 Prozent, wenn bereits am Sonntag Bundestagswahl wäre. Das sind zwei Zähler mehr als vor zwei Wochen. Damals lagen Union und Grüne mit jeweils 27 Prozent gleichauf. Die Grünen müssen in der aktuellen Umfrage ein Minus von drei Punkten einstecken und landen bei 24 Prozent – also jetzt weit hinter der CDU/CSU.

„Die Grünen pendeln sich in der Umfrage wieder auf einen stabilen Wert ein, den sie seit längerer Zeit haben“, sagte Andrea Wolf von der Forschungsgruppe. Sie begründete dies damit, dass vor 14 Tagen der Klimaschutz die politische Agenda besonders stark beherrscht habe. „Davon haben damals vor allem die Grünen profitiert“, sagte die Wahlforscherin. Die FDP kommt in der Umfrage unverändert auf sechs Prozent, die Linke legt um einen Zähler auf acht Prozent zu.

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