Thema des Tages

Streit zwischen Präsidium, Aufsichtsrat und Investor

SV Waldhof: Fünf Funktionäre treten zurück

Mannheim.Die drei Präsidiumsmitglieder Wolfgang Gruber, Peter Köhnlein und Birgit Loewer-Hirsch sowie die Aufsichtsräte des SV Waldhof Mannheim, Vorsitzender Helmut Hans Kneller und Markus Ritzmann, treten zurück. Das erfuhr diese Zeitung am Montagabend aus Vereinskreisen. Grund dafür sind laut einem Schreiben, das dem "MM" vorliegt, "unterschiedliche Auffassungen über die weitere Entwicklung des SV Waldhof Mannheim 07 e.V. sowie die Ausübung der Ämter/Funktionen in den obersten Führungsgremien". Auch die Leiterin der Geschäftsstelle am Alsenweg, Maren Schiffer, hat ihre Kündigung eingereicht.

Verpflichtung als Amateur

Nach dem geschlossenen Rücktritt des Präsidiums um Klaus-Rüdiger Geschwill Ende Oktober 2018 und dem Rücktritt des Vizepräsidenten Stefan Höß Anfang Juli 2019 verlassen damit zum dritten Mal binnen eines Jahres hochrangige Funktionäre die Blau-Schwarzen.

Details zu den jüngsten Differenzen zwischen dem zurücktretenden Präsidiums-Duo Gruber/Köhnlein sind in dem Schreiben nicht ausgeführt. Fest steht jedoch, dass - stellenweise offen ausgetragene - Meinungsverschiedenheiten zwischen Investor Bernd Beetz und Mitgliedern aus Präsidium sowie Aufsichtsrat seit Monaten bekannt sind. Wie aus internen Dokumenten, die dieser Zeitung vorliegen, hervorgeht, gibt es Differenzen, die über strategische Erwägungen hinausgehen.

Der jüngste Fall betrifft die Verpflichtung des 24-jährigen Sandro Loechelt. Per Amateurvertrag als Spieler der U 23 verpflichtet, absolvierte der Mittelfeldspieler mehrere Einsätze in der Profi-Mannschaft in der Dritten Liga. Ob ein Einsatz in der Verbandsliga-Mannschaft, die derzeit für sein Honorar aufkommt, überhaupt vorgesehen war, ist fraglich. Diesen Verdacht legt eine Tauglichkeitsuntersuchung für Profis der Dritten Liga nahe, die eine Mannheimer Arztpraxis am 8. August - exakt einen Tag nach Loechelts Verpflichtung - ausgestellt hatte.

Auch der Umgang des SV Waldhof mit den eigenen Fans wirft Fragen auf. Nach Informationen dieser Zeitung wurden dem 1974 gegründeten "Club der 100" seit Jahren kostenfrei Räume am Carl-Benz-Stadion zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug schüttete der Fanclub jährlich Spenden in mindestens fünfstelliger Höhe aus, mit denen vorwiegend die Jugendarbeit des e.V. unterstützt wurde. Im Juni 2018 musste der Fanclub nach "MM"-Informationen einen Pachtvertrag unterzeichnen: Die 14 000 Euro pro Jahr gehen an die für den Profi-Bereich zuständige Spielbetriebs-GmbH unter Geschäftsführer Markus Kompp. Der Vertrag überschreitet die laut Überlassungsvertrag der Stadt Mannheim zulässigen Konditionen um ein Vielfaches.

Zum Thema