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Diebstahl Eine Bronzefigur wurde vom Bruchsaler Friedhof entwendet /Polizei sucht weiter nach den Verantwortlichen / Verwaltung und Bürger geschockt

Tätern ist offensichtlich nichts heilig

Bruchsal.Diesen Tätern ist wohl nichts heilig: Auf dem Bruchsaler Friedhof sind seit Anfang August eine Reihe wertvoller Bronzefiguren mit brachialer Gewalt von Gräbern entfernt worden. Das gesamte Ausmaß des Schadens ist laut Polizeirevier Bruchsal noch unklar. Bis gestern waren vier Fälle, darunter drei meterhohe Marienfiguren, aktenkundig.

Die Bruchsaler Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. "Wir gehen aber davon aus, dass zu den bislang vorliegenden Anzeigen weitere hinzu kommen", sagte Revierleiter Wolfgang Ams auf Anfrage. Denn wahrscheinlich hätten etliche der Geschädigten noch gar nicht bemerkt, dass etwas fehlt. Die Polizei gibt den Tatzeitraum zwischen Mittwoch, 2. August, und Montagnachmittag dieser Woche an. Der Schaden der bisher angezeigten Fälle schätzen die Ermittler auf 20.000 Euro. Dem Vernehmen nach könnte der Gesamtschaden indes deutlich über 50 000 Euro liegen. Bei dem Edelmetall Bronze handelt es sich um eine Legierung aus Kupfer in Kombination mit Zinn. Zum mäßigen Materialwert von unter 1 000 Euro für 100 Kilogramm kommt der schwieriger zu taxierende künstlerische Wert. Mit brachialer Gewalt am Grab.

Mit brachialer Gewalt

Ob es die Täter nur auf den Materialwert abgesehen haben, oder die Figuren auf dem Schwarzmarkt verkaufen wollen, ist völlig unklar. Die Bronzeskulpturen wurden teilweise mit brachialer Gewalt aus Familiengräbern gebrochen. Als Tatbestand des Diebstahls käme deshalb womöglich auch "Störung der Totenruhe" nach Paragraf 168 des Strafgesetzbuches in Betracht. Dieser Paragraf bestraft nicht nur "Leichenschändung", sondern auch jenen, der "Aufbahrungsstätte, Beisetzungsstätte oder öffentliche Totengedenkstätte zerstört oder beschädigt".

Mit Einbruch der Dunkelheit ist der Aufenthalt auf dem Bruchsaler Friedhof laut Friedhofssatzung verboten. Insbesondere in der Nacht zum vergangenen Sonntag könnten die pietätlosen Täter unterwegs gewesen sein, so vermutet ein regelmäßiger Bruchsaler Friedhofsgänger, der sich gestern vertraulich an die Rundschau wandte. Aus Sicht des älteren Herrn tut die Stadtverwaltung Bruchsal zu wenig, um den Friedhof zu schützen. "Wir können doch nicht tatenlos zusehen, wie unser schöne Friedhof nach und nach abgeräumt wird", so der Mann, der jetzt eine Bronzefigur auf seinem Familiengrab vorsorglich abmontieren lassen will.

Stadtverwaltung schockiert

In der Stadtverwaltung reagiert man mit Betroffenheit auf die Taten. Sie seien im "Umfang, Ausmaß und Professionalität" einzigartig für den Bruchsaler Friedhof. Man wolle zunächst die Sachlage prüfen und die Ermittlungen der Polizei abwarten, und dann über eventuelle Maßnahmen entscheiden. Die vollständige Stellungnahme der Stadtverwaltung Bruchsal lesen Sie unten im Kasten.

Bei der Bruchsaler Friedhofsverwaltung hieß es zudem, dass das rund neun Hektar große Friedhofsgelände mit seinen vielen Zugängen kaum wirksam vor ungebetenen Besuchern abgeriegelt werden könne. Nach bisherigen Erkenntnissen der Bruchsaler Polizei handelt es sich bei den aktuellen Bronze-Diebstählen nicht um eine Serie, sondern "um eine einmalige Situation", so Revierleiter Ams, der um die Mithilfe der Bruchsaler Bevölkerung, insbesondere der Anwohner des Friedhofs, bittet. In einer Stellungnahme der Stadt kommt tiefe Betroffenheit zum Ausdruck. "Den Tätern ist offensichtlich nichts heilig", sagt Verwaltungsmitarbeiter Hans Meier. "Es ist schockierend, wenn auf dem Friedhof solche Straftaten begangen werden." In den nächsten Tagen wird eine Friedhofwache eingerichtet. Man hofft, die Täter schnell zu finden.