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Bildung Länder lassen zum Schuljahresende befristete Verträge auslaufen

Tausende Lehrer in Ferien ohne Gehalt

Archivartikel

Stuttgart.Im Südwesten wird über eine umstrittene Praxis für Vertretungslehrer debattiert. Das Land Baden-Württemberg etwa lässt befristete Arbeitsverträge von 3300 Lehrern zum Ende des Schuljahres für die Ferienzeit auslaufen. Die Zahl bestätigte das Kultusministerium in Stuttgart auf Anfrage. Die meisten Betroffenen müssen sich deshalb für die Ferienzeit arbeitslos melden. Es sei keine Änderung an diesem Vorgehen geplant, erklärte eine Ministeriumssprecherin dieser Zeitung.

In Hessen wurden im vergangenen Jahr den Angaben des Kultusministeriums zufolge 1100 Lehrkräfte entlassen, die nach den Sommerferien wieder eingestellt wurden. Weiter bezahlt werden Pädagogen, die vor den Ferien mindestens 35 Wochen beschäftigt waren. Rheinland-Pfalz hat diese Praxis nach jahrelangen Diskussionen abgeschafft. Laut Mainzer Bildungsministerium kostet das Land die Weiterbeschäftigung von etwa 1000 Lehrern jetzt 2,5 Millionen Euro mehr.

Gewerkschaft empört

In Baden-Württemberg begründet das CDU-geführte Kultusministerium das Auslaufen der Beschäftigung mit der geringen Zahl der Betroffenen. Nur drei Prozent der 110 000 Lehrer hätten Zeitverträge. 700 der 3300 Lehrkräfte seien pensioniert und damit vom Thema Ferienbezahlung gar nicht betroffen. Eine Fortzahlung der Gehälter würde nach den Berechnungen des Ministeriums 12,5 Millionen Euro im Jahr kosten.

Die Lehrergewerkschaft GEW kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. „Wir erwarten, dass diese Praxis gestoppt wird“, sagte GEW-Landeschefin Doro Moritz. Immerhin seien die befristeten Lehrer für die Schulen regelmäßig ein Rettungsanker für die Unterrichtsversorgung.

Vor der Landtagswahl hätten dies Grüne, CDU, SPD und FDP versprochen, aber bisher nicht eingelöst. Für den Verband der Jungen Philologen nennt der Vorsitzende Jörg Sobora die Praxis einen „Skandal erster Klasse“.

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