Thema des Tages

Prozess Deutsche Journalistin weiter in türkischer Untersuchungshaft

Tolu weist Vorwürfe zurück

Silivri.Die seit mehr als fünf Monaten in der Türkei inhaftierte deutsche Journalistin Mesale Tolu muss in Untersuchungshaft bleiben. Das Gericht in Silivri bei Istanbul folgte gestern Abend dem Antrag von Tolus Anwälten nicht, ihre Mandantin bis zu einem Urteil auf freien Fuß zu setzen. Das Gericht beschloss die Freilassung von acht Angeklagten, sechs weitere müssen in der U-Haft bleiben, darunter Tolu.

Zum Prozessauftakt hatte Tolu dieTerrorvorwürfe zurückgewiesen. "Ich fordere meine Freilassung und meinen Freispruch", sagte sie. "Ich habe keine der genannten Straftaten begangen und habe keine Verbindung zu illegalen Organisationen." Der 32-Jährigen und den weiteren 17 Angeklagten wird Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrororganisation vorgeworfen. Dabei soll es sich um die linksextreme MLKP handeln. Der Deutschen drohen nach Angaben ihrer Anwältin bis zu 20 Jahre Haft. Der Prozess wird nächste Woche in Istanbul fortgesetzt.

Tolu kritisierte vor Gericht die Umstände ihrer Festnahme am 30. April, als Anti-Terror-Polizisten ihre Wohnung in Istanbul stürmten. "Die Spezialeinheit der Polizei hat nicht nur die Waffe auf meinen Sohn gerichtet, sondern sie haben mich auch noch vor den Augen meines Kindes gewaltsam festgenommen."

Die Bundesregierung fordert die Freilassung Tolus und von zehn weiteren Deutschen, die in der Türkei aus politischen Gründen inhaftiert sind. dpa