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Anteilnahme Altkanzler in seinem Haus in Oggersheim aufgebahrt / Familie entscheidet über Veranstaltung im Dom

Totenmesse für Kohl in Speyer und EU-Staatsakt geplant

Brüssel/Ludwigshafen.Als erste Persönlichkeit in der Geschichte der EU soll Helmut Kohl mit einem europäischen Staatsakt geehrt werden. Der von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker angeregte Staatsakt für den gestorbenen Altkanzler soll binnen zwei Wochen im Europaparlament in Straßburg stattfinden. Informationen der "Bild am Sonntag", wonach Kohls Leichnam nach dem Staatsakt mit dem Schiff über den Rhein zur Totenmesse nach Speyer gebracht werden soll, bestätigte eine Sprecherin der Kommission nicht.

Kommissionspräsident Juncker begründet die Initiative in der "Bild am Sonntag" damit, dass Kohl einer von nur drei europäischen Ehrenbürgern war - neben dem europäischen Gründervater Jean Monnet und dem früheren Kommissionspräsidenten Jacques Delors - Wegbereiter des Euro. Auch sei es Kohls Wunsch gewesen, hieß es in Brüssel.

Die Bundesregierung äußerte sich zunächst nicht zu den geplanten Trauerfeierlichkeiten. Auch aus dem Bundespräsidialamt hieß es, man warte zunächst die weitere Entwicklung ab. Kohl sollte zunächst in seinem Haus in Oggersheim aufgebahrt bleiben.

Selbstverständlich wäre das Land sehr geehrt, wenn eine solche Zeremonie in Kohls rheinland-pfälzischer Heimat stattfinden würde, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). "Aber es ist genauso klar, dass die Familie dazu das letzte Wort hat." Im Speyerer Dom war im Jahr 2001 auch die Messe für Kohls erste Frau Hannelore gehalten worden.

"Friedlich eingeschlafen"

Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) betete am Samstag mit Freunden der Familie am aufgebahrten Leichnam Kohls. Man sehe an seinen Gesichtszügen, dass er "friedlich eingeschlafen" sei, sagte Lohse.

Maria Böhmer (CDU), Staatsministerin im Auswärtigen Amt und Kohls Nachfolgerin im Bundestagswahlkreis Ludwigshafen, trauerte um einen "überragenden Staatsmann und großen Pfälzer - Sein Tod lässt mich innehalten. Danke für alles!" Michael Meister, Staatssekretär beim Bundesfinanzministerium und Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Bergstraße, erinnert sich, dass sich Kohl immer um die Jüngeren in der Fraktion gekümmert und wiederholt zu abendlichen Gesprächen in seinen Bungalow eingeladen habe. Als Christdemokrat war Kohl für Meister "ein Vorbild".

Als Christine Lambrecht (SPD) für den Wahlkreis Bergstraße in den Bundestag kam, war Kohls Kanzlerschaft gerade zu Ende. Sie sagt, Kohl sei für sie "kein Idol" gewesen, "aber er hat sehr viele Verdienste". Lambrecht war später Mitglied des Untersuchungsausschusses, der die CDU-Spendenaffäre aufarbeiten sollte. pwr/ lok/dpa

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