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Israel US-Präsident erkennt Jerusalem trotz scharfer internationaler Kritik als Hauptstadt an

Trump-Plan erzürnt Nahost

Washington.In einer international höchst umstrittenen Entscheidung hat US-Präsident Donald Trump Jerusalem als Hauptstadt des Staates Israel anerkannt. „Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass es Zeit ist, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen“, sagte Trump gestern in Washington.

Der Schritt der USA stieß – außer in Israel – international auf Kritik. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel distanzierten sich auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und UN-Generalsekretär António Guterres. Jerusalem gilt als einer der fundamentalen Streitpunkte in dem seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Israel beansprucht Jerusalem als seine unteilbare Hauptstadt. Das wird international nicht anerkannt. Die Palästinenser sehen in Ost-Jerusalem ihre künftige Hauptstadt.

„Heute erkennen wir das Offensichtliche an – dass Jerusalem Israels Hauptstadt ist“, sagte Trump. Damit sei jedoch keine endgültige Grenzziehung anerkannt. „Das ist Sache der Parteien.“ Trump wies das Außenministerium an, mit dem Prozess zur Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu beginnen.

Massive Proteste in Gaza

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas warf der US-Regierung vor, sich als Vermittler im Nahostkonflikt disqualifiziert zu haben. Das Verhalten Amerikas ermutige Israel dazu, „die Politik der Besatzung, der Siedlungen und der ethnischen Säuberungen voranzutreiben“. Achmad Bahar, ein führender Hamas-Vertreter, bezeichnete die Entscheidung Trumps als „Kriegserklärung“. In Gaza zündeten Hunderte Demonstranten Trump-Bilder an.

Der Nahost-Experte Michael Lüders sprach im „Deutschlandfunk“ von einer „groben Fehlentscheidung“ Trumps. Sie werde im Nahen Osten Gewalt nach sich ziehen und viele Menschen das Leben kosten. dpa