Thema des Tages

Gesellschaftsjahr Oppositionsparteien reagieren ablehnend und verlangen Freiwilligkeit statt Zwang

Union pocht auf Dienstpflicht

Archivartikel

Berlin.Die CDU steckt im Umfragetief und versucht, ihr Profil zu schärfen. Dafür greift sie nun auf eine alte Idee zurück: die Einführung einer „allgemeinen Dienstpflicht“, eines „verpflichtenden Gesellschaftsjahres“. Männer und Frauen sollen ein Jahr lang etwas für die Allgemeinheit tun. Bei den anderen Parteien löste der CDU-Vorstoß teils scharfe Kritik aus.

SPD-Vize Ralf Stegner erinnerte daran, dass sich viele junge Leute schon jetzt für das Gemeinwohl einsetzen. „Wir sollten keinen Zwangsdienst einführen, sondern ihr freiwilliges Engagement stärker fördern.“ Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion, Jan Korte, lehnte die Wiedereinführung der Wehrpflicht gestern als „ein Zurück ins letzte Jahrhundert“ ab.

„Leitfrage“ der CDU

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte, sie rechne nicht mit einer einfachen Rückkehr zur Wehrpflicht – wolle aber über eine „allgemeine Dienstpflicht“ reden. Beim Parteitag Ende des Jahres soll das Thema als eine „Leitfrage“ beschlossen werden. An diesen „Leitfragen“ entlang will die CDU die Debatte über ihr neues Grundsatzprogramm führen.

Der CDU-Landesvorsitzende Baden-Württemberg, Thomas Strobl, plädierte für einen Dienst junger Menschen: „Das könnte für viele junge Frauen und Männer unheimlich gewinnbringend sein – ein Abenteuer, eine Schule des Lebens“. Für die Gesellschaft könne ein solches Engagement „ein riesiger Gewinn“ sein. Die Junge Union forderte ein „verpflichtendes Gesellschaftsjahr“ für alle Schulabgänger. Diese sollten dann selbst entscheiden, ob sie dieses in der Bundeswehr oder in einer sozialen Einrichtung absolvieren wollen.

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner kritisierte, es mache ökonomisch keinen Sinn, „junge Menschen ein Jahr von Ausbildung und Beruf fernzuhalten, um sie als ungelernte Hilfskräfte einzusetzen“. 

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