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Naher Osten Washington und Teheran weisen Kriegsabsichten von sich / Gegenseitige Schuldzuweisungen

Vereinigte Staaten und Iran verzichten auf neue Angriffe

Archivartikel

Washington/Teheran.Trotz eines iranischen Vergeltungsangriffs auf US-Truppen im Irak scheint die unmittelbare Gefahr eines neuen Krieges im Nahen Osten zunächst gebannt. US-Präsident Donald Trump kündigte am Mittwoch im Weißen Haus bei einer Ansprache an die Nation zwar neue Wirtschaftssanktionen gegen den Iran an, aber keine weiteren Militärschläge.

Trump sagte, bei den Raketenangriffen auf zwei Militärbasen im Irak in der Nacht zu Mittwoch seien weder US-Amerikaner noch Iraker getötet worden. Der Schaden an den angegriffenen Stützpunkten sei „minimal“ gewesen. Teheran bezeichnete die Angriffe nach der gezielten Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani durch die USA als „Akt der Selbstverteidigung“. Trump sagte weiter, es sehe danach aus, als würde der Iran auf Zurückhaltung setzen, „was eine gute Sache für alle Beteiligten und eine sehr gute Sache für die Welt ist“. Die Vereinten Nationen in New York werteten Trumps Äußerungen als Deeskalationszeichen im Iran-Konflikt.

Der iranische Vergeltungsangriff erfolgte mit Ansage: Iraks Regierung wurde nach eigenen Angaben kurz vor dem Angriff aus Teheran über den Militärschlag informiert. Iraks Regierungschef Adel Abdel Mahdi sagte, zur selben Zeit hätten sich auch die US-Amerikaner gemeldet.

Auch der Iran kündigte zunächst keine neuen Angriffe an. Präsident Hassan Ruhani sagte aber: „Falls die Amerikaner weitere Angriffe und Verbrechen gegen den Iran planen sollten, werden wir eine Antwort geben, die noch härter ist als der heutige Angriff.“ Der Frankfurter Friedensforscher Matthias Dembinski warnte im Gespräch mit dieser Zeitung vor einer weiteren Eskalation und sagte: „Gegenwärtig ist eine Rückkehr an den Verhandlungstisch kaum wahrscheinlich, weil die Stimmung in beiden Ländern sehr aufgeheizt ist. Es kann also sein, dass Teheran weiter zündelt und es vielleicht beim nächsten Mal dann zu einem richtig großen Knall kommen kann.“

Unsicherheit wegen Absturz

Auch deutschen Bundeswehr-Kräften im nordirakischen Erbil passierte bei dem Angriff nichts. „Den Soldaten geht es gut“, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam. Im Zentralirak sind keine deutschen Soldaten mehr stationiert, sie waren angesichts der Zuspitzung der Lage abgezogen worden. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) verurteilte die iranischen Raketenangriffe. „Wir fordern Iran auf, alle Schritte zu unterlassen, die zu einer weiteren Eskalation führen könnten.“

Verstärkt worden war die Unsicherheit, als wenige Stunden nach den Raketenangriffen auf die Militärbasen aus bislang ungeklärter Ursache ein ukrainisches Passagierflugzeug in der Nähe von Teheran abstürzte. Alle 176 Menschen an Bord starben. Mehrere Fluggesellschaften setzten eine Nutzung des iranischen und irakischen Luftraums vorübergehend aus – darunter Lufthansa, KLM und Air France. Die Lufthansa will aber ihre Flüge in die iranische Hauptstadt Teheran an diesem Donnerstag wieder aufnehmen. was/dpa

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