Thema des Tages

Integration Experte beobachtet zunehmende Verunsicherung / Ab heute Stimmabgabe für Wahl möglich

„Viele Türken fühlen sich angegriffen“

Archivartikel

Mannheim.Die scharfe Kritik aus Deutschland an der türkischen Regierung führt bei den hier lebenden Türken zunehmend zu Unsicherheit und dem Gefühl, ausgegrenzt zu werden. Das sagte Talat Kamran, Leiter des Mannheimer Instituts für Integration und interreligösen Dialog, gestern dieser Zeitung.

„Viele Türken fühlen sich angegriffen. Sie missverstehen die Forderungen nach mehr Demokratie in dem Land als allgemeine Türkei-Feindlichkeit“, so Kamran. Das könne einige darin bestärken, den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan und seine Partei AKP bei der anstehenden Parlaments- und Präsidentschaftswahl am 24. Juni zu unterstützen.

Hohe Beteiligung erwartet

An der Wahl dürfen auch rund 1,4 Millionen in Deutschland lebende Türken teilnehmen. Sie können ihre Stimme ab heute und bis zum 19. Juni abgeben. Wahllokale gibt es unter anderem in Karlsruhe und Stuttgart. In der Vergangenheit hatte Erdogan bei Abstimmungen viele Unterstützer unter den Türken in Deutschland.

Nach Einschätzung von Thomas König, Politikwissenschaftler an der Uni Mannheim, liegt dies unter anderem an deren sozio-kultureller Herkunft: „Die meisten Türken, die bei uns leben, kommen aus ländlichen Gebieten in der Türkei. Dort bekommt Erdogan auch im eigenen Land teilweise deutlich mehr Zuspruch als in Städten wie Ankara oder Istanbul.“ Cem Yalçinkaya, Mitglied im Migrationsbeirat der Stadt Mannheim, rechnet bei der jetzigen Wahl mit einer hohen Beteiligung der Türken in Deutschland. „Ich glaube, dass das Interesse groß ist. Zum ersten Mal werden gleichzeitig das Parlament und der Präsident gewählt. Außerdem gibt es für jedes politische Spektrum in der Türkei einen charismatischen Kandidaten, das wird viele auch hier an die Wahlurne locken“, sagte Yalçinkaya. In Mannheim leben ihm zufolge rund 32 000 türkischstämmige Menschen.

Zum Thema