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Abgasskandal Behörden könnten Ermittlungen gegen ehemaligen VW-Chef ausweiten

Winterkorn nach US-Klage unter Druck

Archivartikel

Washington/Berlin.Die deutsche Justiz nimmt die Anklage von Ex-VW-Chef Martin Winterkorn in den USA „interessiert zur Kenntnis“. Dennoch nannte der ermittelnde Braunschweiger Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe gestern keinen Termin für eine Anklageerhebung in dem Verfahren um mutmaßliche Abgasmanipulationen.

Aus Washington sieht sich der ehemalige Verantwortliche des Autokonzerns heftigen Vorwürfen ausgesetzt. Die dortigen Justizbehörden wollen den 70-Jährigen wegen Betrugs im Abgasskandal zur Rechenschaft ziehen. Dem 2015 zurückgetretenen Vorstandsvorsitzenden wird außerdem Verschwörung zum Verstoß gegen Umweltgesetze und zur Täuschung der Behörden vorgeworfen. In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig unter anderem wegen Betrugsverdachts. Ein Anwalt Winterkorns sagte gestern, man prüfe die Anklage und werde sich „zu gegebener Zeit äußern“.

Haftbefehl erlassen

US-Justizminister Jeff Sessions hatte erklärt: „Wer versucht, die Vereinigten Staaten zu betrügen, wird einen hohen Preis bezahlen.“ Die Tatsache, dass kriminelle Taten auf höchster Ebene abgesegnet gewesen sein dürften, sei erschreckend, so Staatsanwalt Matthew J. Schneider vom östlichen Bezirk Michigans. Die US-Ermittler gehen davon aus, dass Winterkorn im Mai 2014 und Juli 2015 über die Manipulationen informiert wurde. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, Winterkorn werde von einem Beschäftigten des Autokonzerns schwer belastet. Der Manager hatte stets betont, vor dem Bekanntwerden der Affäre um weltweit rund elf Millionen Autos mit falschen Abgasdaten in der Öffentlichkeit im September 2015 nichts von illegalem Tun gewusst zu haben.

Inzwischen erließ die US-Justiz Haftbefehl gegen Winterkorn. Dies dürfte aber folgenlos bleiben: Deutsche Staatsangehörige würden nicht in die USA ausgeliefert, sagte ein Sprecher des Bundesjustizministeriums. In den Staaten könnten Winterkorn 25 Jahre Gefängnis drohen. dpa