Thema des Tages

Studie Arbeitsmarkt schrumpft ohne Migration / Kammern pochen auf Deutschkenntnisse

Wirtschaft ruft nach mehr Zuwanderern

Gütersloh/Mannheim.Der deutsche Arbeitsmarkt braucht einer Studie zufolge mittel- und langfristig jedes Jahr mindestens 260 000 Zuwanderer. Das Angebot an Arbeitskräften werde ohne Migration bis 2060 um fast ein Drittel massiv schrumpfen. Das sagt eine Untersuchung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung voraus, die gestern in Gütersloh veröffentlicht wurde.

Arbeitsmarktexperte Martin Lange vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) würde eine schnelle Verabschiedung des Einwanderungsgesetzes, das Ende 2018 vom Kabinett beschlossen wurde, begrüßen. „Die Bundesrepublik steht international im Wettbewerb um qualifizierte Kräfte. Vor allem klassische Facharbeiter sind momentan sehr gefragt“, sagte Lange. Forderungen nach Erleichterungen bei der Einwanderung gibt es schon länger.

Gefährlicher Fachkräftemangel

Konjunkturexperte Mario Klein von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar erklärte, viele Unternehmen aus der Region Rhein-Neckar seien auf qualifizierte Arbeitskräfte aus Ländern außerhalb der Europäischen Union angewiesen, um ihren Bedarf zu decken. „In unserer aktuellen Umfrage weisen 58 Prozent der Unternehmen darauf hin, dass der Fachkräftemangel für sie das größte wirtschaftliche Risiko ist.“

Nach Angaben der IHK können sich Zuwanderer ihre Berufsabschlüsse anerkennen lassen, um in Betrieben gezielter eingesetzt zu werden. Bei Bedarf seien auch Fortbildungen möglich. Ausreichende Deutschkenntnisse müssten zusätzlich vorhanden sein, sagte Klein. Dass Sprachangebote im In- und Ausland ausgebaut werden, forderte in der IHK-Umfrage rund ein Viertel der Unternehmen.

Die Kammer warnte mit Blick auf die Studie, Zuwanderung nur auf Fachkräfte zu begrenzen. Fast ein Drittel aller Unternehmen habe Bedarf an Mitarbeitern ohne einen Berufsabschluss. dpa/was/jung