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Personal Beim Industrieservice-Konzern soll fast die Hälfte der Mitarbeiter in der Zentrale gehen / Neue Abbaupläne bei General Electric

Zwei Tiefschläge für Mannheim: Bilfinger und GE streichen Jobs

Archivartikel

Mannheim.Der Industrieservice-Konzern Bilfinger baut in der Mannheimer Zentrale fast die Hälfte der Belegschaft ab. Auch General Electric (GE) plant am Standort weitere Einschnitte, nachdem im ehemaligen Alstom-Werk schon Hunderte Arbeitsplätze gestrichen wurden. Wie viele Jobs bei GE gefährdet sind, ist noch unklar. Die IG Metall sprach von einer Zahl im „mittleren zweistelligen Bereich“, GE machte keine Angaben dazu.

Verhandlungen zu Sozialplan

Bilfinger streicht rund 110 von den 280 Arbeitsplätzen der Zentrale, davon sind 220 direkt in Mannheim angesiedelt. Im Gegenzug sollen die operativen, kundennahen Einheiten mehr unternehmerische Freiheiten erhalten. Bundesweit streicht der Konzern insgesamt 200 Verwaltungsstellen, so soll eine Management-Ebene in einer Sparte wegfallen. In welcher Form die Stellen abgebaut werden, regelt ein Sozialplan, der bis Ende des Monats stehen soll. Bilfinger war erst vor gut einem Jahr vom Carl-Reiß-Platz in die neu gebaute Zentrale im Mannheimer Stadtteil Almenhof umgezogen.

Zu dem Sparprogramm gehört auch die bereits angekündigte Verkleinerung des Vorstands von vier auf drei Mitglieder. Arbeitsdirektor Michael Bernhardt, der aktuell noch den Sozialplan verhandelt, verlässt das Unternehmen Ende Dezember. Die geplanten Maßnahmen sollen bereits 2020 Einsparungen in Höhe von 30 Millionen Euro bringen. Bilfinger hat eine lange Krise und einen massiven Konzernumbau hinter sich.

Vorstandschef Tom Blades erklärte, nach der erfolgreichen Stabilisierung sei die Zeit für eine Anpassung der Strukturen in der Verwaltung gekommen. Der Industriedienstleister müsse profitabler werde. „Bilfinger kehrt somit zurück zu einer leistungs- und ertragsorientierten Kultur.“

Der Mannheimer IG-Metall-Chef Klaus Stein kritisierte die Sparpläne als „Verschlankung ohne Sinn und Verstand“ und mahnte eine unternehmerische Strategie an. Im dritten Quartal 2019 wies Bilfinger einen Gewinn von sechs Millionen Euro aus – nach einem Verlust von einer Million Euro im Vorjahreszeitraum. Der Aktienkurs knickte am Mittwoch trotzdem um mehr als sieben Prozent ein.

GE ordnet das Energiegeschäft neu. Dazu hätten schon Gespräche auf europäischer Ebene zwischen Management und Arbeitnehmervertretern stattgefunden, erklärte ein Konzernsprecher. Nun seien Verhandlungen auf lokaler Ebene geplant. Eine ausdrückliche Standortgarantie für Mannheim gab GE auch am Mittwoch nicht. Dort sind nach dem Aus der Turbinenfabrik und weiteren Einschnitten rund 400 Mitarbeiter übrig geblieben.

„Leider ein Dauerthema“

Kritik zu den Plänen bei Bilfinger kam aus der Politik. „Stellenabbau ist in Mannheim inzwischen leider ein Dauerthema geworden“, sagte die Mannheimer Bundestagsabgeordnete Gökay Akbulut (Linke) laut Mitteilung. „Nun reiht sich auch Bilfinger in die Reihen großer Unternehmen ein, die trotz steigender Gewinne Arbeitsplätze abbauen wollen. Das ist sehr schade und auch nur bedingt nachvollziehbar.“ Wenn bei unternehmensinternen Umbauten „mal wieder die Beschäftigten das Nachsehen haben, dann zeigt das nur einmal wieder, dass Profite vor Menschen gesetzt werden“, erklärte Akbulut weiter.

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