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„2017 war das beste Jahr aller Zeiten“

Pop: Interview mit dem Wahl-Mannheimer Rainer Schacht, der mit Die Feisten am 27. Januar im Capitol auftritt

Seit 2013 lebt Rainer Schacht in Mannheim und hat dort nicht nur den Rheinblick auf dem Lindenhof schätzen gelernt. Als Teil des „ZweiMannSongComedy“-Duos Die Feisten ist er noch bis 18. Februar amtierender Träger des Deutschen Kleinkunstpreises in der Sparte Chanson / Musik / Lied. Warum Schacht und sein kongenialer Partner C. ausgezeichnete Musiker und Komödianten sind, wollen sie bei ihrem Konzert am 27. Januar im mittlerweile heimischen Capitol zeigen. Im Interview lässt Schacht das Jahr nach der Verleihung des großen Kleinkunstpreises Revue passieren.

Herr Schacht, sind Sie inzwischen noch ein wenig mehr in Mannheim angekommen? Auch beruflich, in der Musikszene der Region?

Rainer Schacht: Ja, privat hat sich das Leben verstetigt. Im Oktober habe ich geheiratet. Von daher kann ich sagen: Die Stadt bringt mir Glück. Auch beruflich. Aber da liegt unser Hauptaugenmerk ja bei Live-Auftritten. Und damit sind wir in der ganzen Republik zu Hause.

Was könnten Die Feisten für Kooperationspartner gebrauchen? Sie machen als Duo mit eigener Firma einen recht autarken Eindruck....

Schacht: Ja, wir sind autark. Eine Zusammenarbeit muss sich ergeben, organisch sein. Wie zuletzt die freundschaftliche Kooperation mit dem Stuttgarter Duo Das Lumpenpack. Wir sind uns bei einer Mixed-Show im Schwäbischen begegnet, es war interessant und dieser Tage haben wir ein erstes Treffen. Interessant ist auch, dass die beiden quasi mit unserer Musik aufgewachsen sind. Sie sind quasi die nächste Generation – und gehen gerade selber durch die Decke. Bei meinem Partner C und mir geht es schon immer um Spaß an der Freude. Dass ein übergeordnetes Management irgendeine Idee hat und uns mit anderen Musikern verkuppelt – so arbeiten wir nicht.

Die Feisten sind ja keine reine A-cappella-Band, werden aber von der Szene schon seit Ganz-Schön-Feist-Zeiten adoptiert. Das Capitol, wo Sie am 27. Januar als Mannheim-Kasseler Kombination ein „halbes“ Heimspiel haben, gibt diesem Genre seit Jahren viel Raum – wäre das nicht die perfekte Dauer-Andockstelle?

Schacht: Wir haben uns tatsächlich nie als A-cappella-Formation verstanden. Auch nicht vor 20 Jahren, als wir mit A-cappella-Titeln in den Charts waren. Wir sind unsere eigene Mixtur, sozusagen unser eigener Bastard. Das ist zuletzt noch mal deutlicher geworden, weil wir noch konsequenter Instrumente einsetzen – in Richtung Singer/Songwritertum mit viel Groove darunter. Trotzdem ist die Nähe zu diesen Kollegen immer dagewesen – heute noch zu Basta, früher zu den Wise Guys oder Maybebop... Auch die A-cappella-Festivals empfinden uns als passend. Das mit dem Capitol würde natürlich Sinn machen ... das Konzert am 27. Januar ist jetzt schon sehr gut verkauft. Das freut mich als Neu-Mannheimer natürlich sehr.

Sie profitieren also bisher nicht besonders von den Möglichkeiten der viel beschworenen Musik-Metropolregion?

Schacht: Nein, das kann man bisher noch nicht sagen.

Und von der hiesigen Studiolandschaft?

Schacht: Auch noch nicht, aber der Bedarf ist da. Unsere letzte Studio-Produktion ist drei Jahre alt. Das ist ein Projekt für dieses Jahr. Zuletzt haben wir uns komplett aufs Live-Spielen konzentriert. Meine Einschätzung war, dass wir wieder viel Live-Präsenz brauchen. Das haben wir umgesetzt: Meiner Einschätzung nach war 2017 von den Zuschauerzahlen her, von dem was wir live erlebt und Neues erobert haben, das beste Jahr aller Zeiten.

Hat da der Deutsche Kleinkunstpreis für zusätzlichen Rückenwind gesorgt?

Schacht: Definitiv, der hat richtig was gebracht. Das kennen wir natürlich schon aus früheren Zeiten. Aber: Dieses Ding alleine ist schön und gut. Du musst es halt umsetzen und benutzen können. Aber im Kontext, wie wir uns präsentieren, war das echt ein Hauptgewinn. Auch, weil dadurch der Kontakt zu den Kleinkunstredaktionen bei 3sat, ZDF und Co. intensiviert worden ist. Das geht nur so: Die müssen das selbst gesehen, gehört und erlebt haben, auch was bei uns im Publikum passiert.

Da man mit Platten nur noch schwer Geld verdient, hat Xavier Naidoo schon vor fast zehn Jahren an dieser Stelle eine Zukunft im Musikfernsehen anvisiert. Das wäre doch etwas für Sie, zumal Musik beim Comedy-Boom im TV noch etwas kurz zu kommen scheint.

Schacht: Ich denke ja. Wir sind zwar beide eher vorsichtige Menschen. Trotzdem wäre das eine reizvolle Geschichte, zumal auch entsprechende Vorschläge durchaus kommen. Nach dem Motto: „Hey, Ihr könnt ja irgendwie alles anmoderieren.“ Und wenn die Nähe zur Musik da ist – sag’ niemals nie.

Heute sind junge Musiker viel besser ausgebildet als etwa zu Ihren Anfangszeiten. Sie verfügen früh über tolle Instrumente, gehen auf Musikschulen, vielleicht sogar Popakademien. Ist dieser technisch hohe Standard nur gut? Oder klingen womöglich genau deshalb viele Vertreter der im Radio sehr dominanten Deutschpop-Armada deshalb unerfreulich ähnlich?

Schacht: Das befürchte ich auch manchmal, dass das ein gleichmachendes Element sein könnte. In Wirklichkeit ist das eine musikpädagogische Frage. Natürlich will man nicht zurückgewandt oder ewig gestrig sein. Jetzt kommt das Aber: Individualität im Ausdruck – die leidet in der Tat. Die Ähnlichkeit der gesanglichen Performance der eben Genannten, macht’s mir auch ein bisschen schwer. Und dann fällt mir auf: Wenn man sich die deutschsprachigen Heroes von den 70er Jahren bis heute anschaut – da habe ich früher auch nicht bei jedem immer Hurra geschrien. Heute weiß ich Maffay, Lindenberg, Grönemeyer, Westernhagen oder Niedecken zu schätzen. Auch, weil sie einzigartig und unverwechselbar klingen. Das ist ein Ziel, finde ich. Auch für uns. Nämlich Sachen zu machen, die sich nicht ständig vergleichen oder anlehnen müssen. Wir brauchen auch kein Vorbild..