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„Aber wenn sie lachen, dann richtig!“

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Comedy: John Cleese von Monty Python kommt am 8. September in den Rosengarten und spricht im Interview über seinen Humor

Der legendäre John Cleese, nicht nur als Mitglied der Komikertruppe Monty Python die Verkörperung des britischen Humors, spielt am 8. September im Mannheimer Rosengarten. Der Programmtitel „Last Chance To See Me Before I Die“ (Letzte Chance mich zu sehen, bevor ich sterbe), signalisiert, dass die Reise Richtung schwarzer Humor geht. Darüber sprach der bald 80-Jährige in diesem Telefoninterview, in dem er auch erklärt, warum das Lachen über den Tod etwas Befreiendes hat.

Mister Cleese, viele Deutsche verfolgen Ihr Schaffen nun länger als 50 Jahre. Die meisten vor dem Bildschirm. Was erwartet uns in Mannheim bei Ihrem Live-Auftritt?

John Cleese: Ganz ehrlich: Ich will sie einfach alle nur zum Lachen bringen. Ich werde über vieles sprechen – aber manche Sketche sind natürlich meine Lieblinge. Die Sketche, die ich zeige, sind übrigens sehr kurz. Nur etwa 20 oder 40 Sekunden.

Das klingt vielversprechend. Im Deutschen nennen wir das „kurz und knackig“.

Cleese: Ja, genau so. Wissen Sie, ich mag es einfach, Leute zum Lachen zu bringen – und zeige daher die Szenen, die auch mich am meisten dazu animieren. Die meisten sind von Monty Python. Aber – nicht alle! Die Leute mögen auch immer „Fawltys Towers“. Wer Monty Python mag, dem kann ich garantieren, dass er auch das witzig findet.

Wie schwer ist es, auf Englisch vor einem Publikum zu spielen, das eine andere Muttersprache hat?

Cleese: Das kommt wirklich immer auf das Land an. Wenn ich zum Beispiel in Skandinavien oder Holland bin, habe ich gar keine Probleme. Die Leute sprechen dort sehr gut Englisch. Ähnlich ist es, wenn ich in Deutschland bin – das läuft. Aber ich glaube, das liegt daran, dass ich in großen Städten bin. Wie eben Hamburg, Berlin oder München. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das ein Problem wäre, wenn ich in kleineren Orten wäre. Ich hatte vor einigen Monaten einen Auftritt in einer Kleinstadt in Belgien. Da fiel mir auf: Die Reaktion war ein bisschen langsamer. Ich dachte: „Naja, vielleicht sollte ich langsamer reden.“ Ich tat es – und sofort fing das Publikum an zu lachen.

Manche Monty-Python-Sätze sind Klassiker – hierzulande natürlich auf Deutsch. Erkennen Sie Sätze wie „Nur noch ein kleines Minzplätzchen“ oder „Jeder nur ein Kreuz“?

Cleese: Jaa! Ich erkenne es! Ich bin eigentlich gar nicht schlecht in Deutsch. Aber ich war echt wenig in Deutschland in den letzten zehn Jahren. Ich muss mal gucken, wenn ich hier bin, dass ich wieder ein bisschen Deutsch rede. Ich kenne übrigens einen mehr oder minder nützlichen Satz, der mir aus einer Show aus München in Erinnerung ist. Er lautet: „Ich kann mit einem Eierlöffel Fledermäuse töten.“

Ihre lustigsten Ideen scheinen aus dem Blick in eine Art höllischen Abgrund herzurühren. Beschreibt das Ihren Humor richtig?

Cleese: Oh ja. Ich glaube, das stimmt. Etwa zehn Minuten der aktuellen Show drehen sich im Übrigen darum, warum Menschen über so eine von Art Humor lachen. Eben mehr als über andere Witze.

Warum?

Cleese: Wir nennen es schwarzen Humor. Eben mit so Dingen wie dem Tod. In England hat das lange Tradition. Schon früher im 19. Jahrhundert schrieben die Leute witzige Sachen über das Sterben. Ich spreche da ja auch in der Show drüber. Das Publikum ist in den ersten 15 Sekunden schockiert. Aber wenn sie lachen, dann richtig! Wenn man Witze auf diesem Gebiet macht, spürt man Angst – hintergründig. Aber dann kriegst du zusätzlich zu den normalen Lachern noch „extra“-Lacher. Es ist wie eine Art Energie, die bei diesem Prozess freigesetzt wird: Wenn die Menschen über etwas lachen, das sie zuvor ängstlich machte.

Konsequenterweise haben Sie Ihre Mannheim-Show „Last Chance To See Me Before I Die“ genannt …

Cleese: Neein! Nein! Die vom Team wollen nur immer einen Titel. Es ist egal, welcher. Es gab da mal den Titel: „Seven Ways To Skin An Ocelot“ (Sieben Wege, einen Ozelot zu häuten). In dem Moment, in dem du ihnen den Titel gibst, sind sie happy.

Kurt Tucholsky hat 1919 gesagt, dass Satire alles darf. Wie ist das heute?

Cleese: Es gibt gewisse Momente, da darfst du es nicht. Wenn jemand in den USA durchdreht und 20 Leute erschießt, beispielsweise. Darüber macht man keine Witze. Aber manche Menschen haben eben diesen schwarzen Humor-Kern. Sie sehen Dinge auf eine abstrakte Art. Es geht dabei um die jeweilige persönliche Einstellung: Ist das Leben Komödie oder Tragödie?

Schauen Sie immer „on the bright side of life“, auf die strahlende Seite des Lebens wie in der Kreuzigungsszene am Ende von „Das Leben des Brian“?

Cleese: Oh ja! Das tue ich! Und übrigens bin ich einer dieser komischen Leute, die an ein Leben nach dem Tod glauben.

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