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Ausstellung: Port 25 – Raum für Gegenwartskunst zeigt Kirchners „Evakuiert das Ich-Gebäude“

Mannheim.Was bin ich – Künstler oder Kunstproduzent, der sich und sein Produkt vermarkten will (oder muss)? Will ich das überhaupt, wird es von mir erwartet, kann ich nicht einfach meine Kunst machen und jemand anderes kümmert sich um mein Auskommen und um Aufmerksamkeit?

Diese Fragen hat sich David Julian Kirchner – geboren 1982 in Mainz – schon gestellt, da war er noch Student der Popakademie in Mannheim. Und diese Fragestellung begleitet ihn bis heute, bis zu seinem Debütalbum „Evakuiert das Ich-Gebäude“, das im Rahmen einer multimedialen Ausstellung im Port 25 – Raum für Gegenwartskunst ab Samstag, 11. Mai, in Mannheim zu sehen (und zu hören) sein wird (bis 22. September).

„Es ist vielleicht etwas ungewöhnlich, dass wir uns mit dem Thema Musik befassen“, sagt Port-25-Direktorin Stefanie Kleinsorge. Letztlich schließe sich damit aber ein vierjähriger Zyklus, der mit einer Ausstellung zur Schönheit des Alltäglichen begonnen habe. Auch damals ging es um eine Befragung der Beziehung von Bildender Kunst und Kreativwirtschaft. Unter dem Brand „Alfred Packer Company“ hatten sich Künstler zu einem Unternehmen zusammengeschlossen, das aktiv die Vermarktung der eigenen Tätigkeit betrieb und zugleich kritisch hinterfragte. Positionen an der Schnittstelle von Skulptur und angewandtem Design ergänzten damals die Schau.

Kritische Verquickung

„Ich war sehr offen und suchte nach Synergien. Mein Fazit: Wirtschaft muss zwar kreativ sein, um auf dem globalen Markt erfolgreich zu sein. Kunst, in dem Sinne wie ich sie verstehe, sollte aber frei von wirtschaftlichen Zwängen agieren können und von der Zivilgesellschaft unterstützt werden“, sagt Kleinsorge. Eine Verquickung mag für die Wirtschaft förderlich sein, für die Kunst sei sie der Anfang der Beliebigkeit.

Die Frage, was der Kunstschaffende denn nun sei, ein Betriebswirt oder ein Künstler, beantwortet Kleinsorge denn auch klar mit „beides“. Am Ende werde speziell in der Popkultur vieles bis alles vermarktet. Und so bringt Kirchner nicht nur seine neue Schallplatte mit elf Songs heraus, sondern er präsentiert sich als CEO des Weltkonzerns Kirchner Total und damit als Chef eines gigantischen Pop-Imperiums, in dem von Videos über Artworks, Fotografien, Performances, Frisuren, Texten, Zeichen und Skandalen eben alles verkauft wird. Kirchner ist eine Band, aber er ist auch ein Unternehmen, wo die Musik nur den Anfang macht, hinzu kommen Ausgründungen wie Kirchner TV, Kirchner Cruises, der Verkauf von Devotionalien, die Produktion von Videos und so weiter. „Wir zeigen die üblichen Vermarktungsstrategien – nur beschleunigt und überspitzt“, so Kleinsorge.

Info: Kirchner Hochtief. Evakuiert das Ich-Gebäude. 11. Mai bis 22. September. Eröffnung am Freitag, 10. Mai, um 19 Uhr. Port 25. Raum für Gegenwartskunst. Hafenstr. 25-27, 68159 Mannheim. Tel.: 0621-33 93 43 97. Eintritt frei.