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Auch die Moldau fließt mit

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Klassik: Der bejubelte Ingo Metzmacher dirigiert NTO mit Smetanas „Mein Vaterland“

Mannheim.Zuletzt herrschten solche Zustände, als Ingo Metzmacher kam, sah und siegte: Als alle Schlachten geschlagen und inneren Kämpfe gefochten waren, ließ Metzmacher Schostakowitsch noch einmal aus allen Rohren schießen. Er ließ die Musikmaschinerie auf Hochtouren laufen, ließ immer mehr jubelndes Licht sich ins plakativ Brutale und bedrohlich Größenwahnsinnige mischen und Positives, Hoffnung Verbreitendes aufblühen. Ja, 2017 kam er mit der „Leningrader“, jenem bombastischen Werk von eineinviertel Stunden, das Schostakowitsch weitgehend während der (todbringenden) deutschen Belagerung Leningrads 1941 schrieb. Ein Monolith voller Überwältigungsmusik. Die Begeisterung im Mozartsaal des Rosengartens war schier grenzenlos.

Nun kommt er wieder, und wieder bringt er ein einziges großes Werk mit: Bedrich Smetanas Tondichtungszyklus „Mein Vaterland“, ein Werk, das auch viele emsige Konzertgänger noch nie im Konzert gehört haben dürften. Es sei, so informiert die veranstaltende Musikalische Akademie des Nationaltheaters, „außerhalb Tschechiens so gut wie nie im Ganzen zu hören“.

Ein Stück mit Seltenheitscharakter also, und Metzmacher, gern auch als Spezialist für musikalische Aktualität bezeichnet, hat offenbar auch ein Faible für Riesenwerke. Rund 100 Minuten dauerte „Má Vlast“, so der Originaltitel, etwa beim Gewandhausorchester 1968 unter Václav Neumann. Smetanas Werk wird als Werk bezeichnet, das aus „nationalstolzen Historienbildern“ besteht, die „mit Sicherheit jede Menge Gegenwärtiges zutage fördern!“

Es ist ein gigantischer Zyklus, eine sinfonische Dichtung wie es sie auch von Franz Liszt gibt. Smetanas musikalischen Postkarten, die die Schönheit Tschechiens und seine Geschichte preisen, wollten, so formuliert es die Musikalische Akademie, „als politische Botschaft verstanden werden, als Selbstbekenntnis eines Volks, das jahrhundertelang von fremden Mächten beherrscht worden war und gern eine selbstständige Nation sein wollte.“

Wie dem auch sei: Es ist großartige, dramatische und mitunter zum Niederknien schöne Musik, die Land, Leute und Zustände beschreibt und herrlich instrumentiert ist – und, ach ja, natürlich fließt „Die Moldau“, Smetanas berühmtestes Werk und der zweite Satz der insgesamt sechs Teile.