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Auf Grenzsuche in Mannheim

Theater: Bürgerbühne liest aus dem Wenderoman „Drüben und Drüben“ und begräbt symbolisch ein Stück Mauer

Mannheim.30 Jahre ist er her, der Mauerfall – aber ist die Mauer, die Ost und West Jahrzehnte trennte, tatsächlich weg? Verschwunden aus dem Leben, aus den Köpfen? Diese Frage hat sich das Stadtensemble des Mannheimer Nationaltheaters gestellt.

„Drüben ist es schlechter“

Als Grundlage dient das Buch „Drüben und Drüben“, das von zwei deutschen Kindheiten erzählt: die eine von David Wagner, der unweit von Bonn aufwächst, damals Hauptstadt der BRD, die andere von Jochen Schmidt, der in Ostdeutschland lebt, in Berlin, Hauptstadt der DDR. Zwei Jungen, die zur selben Zeit geboren werden, vieles teilen, sie fahren Fahrrad mit Freunden, sie klauen ihren Geschwistern Süßigkeiten, sie streiten auf der Rückbank des Autos um den besten Platz, haben keine Lust, Klavier zu üben. Aber vieles teilen sie nicht, und sie hören immer wieder, dass „drüben“ die Welt schlechter sei.

Die Darstellerinnen und Darsteller des Stadtensembles , viele von ihnen noch jung, rezitieren in einer rund zweistündigen Performance auf der Mannheimer Neckarpromenade und später im Studio des Nationaltheaters Texte, die zum Großteil aus dem Buch stammen. Zwar liegt Mannheim im „tiefsten Westen“, wie Dramaturg Sascha Hargesheimer sagt, aber auch hier gibt es Grenzen: „Es sind unsichtbare Mauern, die die Mannheimer in drüben und drüben teilen, wir leben in derselben Stadt, machen aber unterschiedliche Erfahrungen, je nachdem, wo wir aufwachsen, in welchen Stadtteilen, in welchen Familien, in welchem Umfeld.“ Eine Verbindung von einem Stadtteil zum anderen stellt – unter anderem – der Collini-Steg dar.

Über den wird die Stadtensemble-Truppe mit ihren Zuschauern gehen und symbolisch ein Stück Mauer begraben. Um allerdings kurze Zeit später im Studio des Nationaltheaters, wo die Aufführung weiter und zu Ende geht, festzustellen, dass sie nicht ganz verschwunden ist. Mehr noch: Das Gefühl, dass die Mauer zwischen Ost und West wieder da ist, habe sich gerade in den vergangenen Jahren verstärkt, so Hargesheimer. „Die Erinnerungen sitzen tief und wirken noch Jahrzehnte später kollektiv in der Gesellschaft nach.“

Der Theaterspaziergang findet im Rahmen des Themenwochenendes zum Mauerfall unter dem Titel „Ostwegwege“ statt. Daneben lädt das Nationaltheater an dem Wochenende vom 8. bis 10. November zu Lesungen, Liederabenden, Podiumsgesprächen ein. sba

Info: Es gibt noch Restkarten für denTheaterspaziergang am Sonntag,10. November. Treffpunkt: 19 Uhr, Neckarpromenade am Collini-Steg. 18 Euro. Informationen zum Themenwochenende unter nationaltheater-mannheim.de oder 0621/1680150.

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