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Blick nach Polen

Enjoy Jazz: Das Festival bietet in den nächsten Tagen aber auch lokale Attraktionen

Rhein-Neckar.Einen neuen Programm-Schwerpunkt setzt Enjoy Jazz in den nächsten Tagen: An drei Abenden steht die Jazzszene Polens im Blickpunkt – ein Land, das für den europäischen Jazz von größter Bedeutung ist. Musiker wie Krzysztof Komeda, Tomasz Stanko, Michal Urbaniak oder Zbigniew Seifert haben in den 1960ern und 70ern Jazzgeschichte geschrieben. Ihre Musik zeichnet sich auf ganz eigentümliche Weise durch eine Expressivität aus, die an jene afroamerikanischer Musiker erinnert, aber tief in der slawischen Tradition verwurzelt ist.

Einen Überblick über die aktuelle Szene in unserem Nachbarland geben drei Konzertabende. Das Marcin Wasilewski Trio, das durch seine Veröffentlichungen auf dem deutschen Label ECM berühmt geworden ist, wird seinen feinnervigen, subtilen kammermusikalischen Jazz an einem ungewöhnlichen Konzertort präsentieren – im Mannheimer Modehaus Engelhorn (Donnerstag, 7.11., 20 Uhr).

Tags darauf steigt dann in der Alten Feuerwache Mannheim ein kleines Festival im Festival: Vier junge Bands (Enjoy Jazz nennt noch keine Namen) sind für diesen Abend angekündigt. Das verspricht jede Menge musikalischer Entdeckungen (8.11., 20 Uhr).

Ein noch relativ neuer Name im ECM-Programm ist der des Altsaxofonisten Maciej Obara. Er steht am dritten polnischen Enjoy-Jazz-Abend im Rampenlicht. Obara wurde bei Tomasz Stanko bekannt, auf seinem ECM-Debüt „Unloved“ begeisterte er die Kritiker mit seinem lyrisch-balladesken Sound (Samstag, 9.11., 21 Uhr, Karlstorbahnhof Heidelberg).

Mysteriöse Musikerin

Ganz anders klingt die Musik der Keyboarderin Liz Kosack. Die in Berlin lebende US-Amerikanerin macht durch ungewöhnliche Synthesizer-Musik und ebenso ungewöhnliche Bühnen-Outfits von sich reden: Sie tritt nur mit Maske auf , und natürlich spielt dabei auch die Gender-Debatte eine Rolle. Aber den renommierten SWR -Jazzpreis hat sie für ihre improvisationsfreudige Avantgardemusik bekommen. Bei Enjoy Jazz bekommt sie den Preis bei einem Konzert im Ludwigshafener Kulturzentrum das Haus verliehen (7.11, 20 Uhr).

Mannheimer Musikfans fiebern dagegen der Aufführung von Steve Reichs Minimal-Music-Komposition „Drumming“ entgegen. Beeinflusst von afrikanischen Trommelrhythmen, schrieb Reich das Stück 1971; seine hypnotische Kraft wirkt auch heute noch. Das Werk für neun Schlagzeuger und Gesangssolisten wird im Opernhaus des Nationaltheaters von Instrumentalisten und Sängern aus dem Nationaltheater, Studierenden der Musikhochschule und Gastsolisten auf die Bühne gebracht.

Ein heimischer Schlagzeuger ist seit vielen Jahren Stammgast bei Enjoy Jazz: Der Ludwigshafener Drummer Erwin Ditzner darf sich alle Jahre wieder eine Besetzung nach eigener Wahl für das Festival zusammenstellen. In diesem Jahr hat er sich für den US-Pianisten Chris Jarrett entschieden. Der in der Pfalz lebende Musiker trägt einen berühmten Namen, und er hat einen weltberühmten Bruder: Keith Jarrett. Chris Jarrett besticht durch seine perkussive Spielweise; man darf gespannt sein, wie das im Duo mit Ditzner klingen wird (Mittwoch, 13.11., 20 Uhr, Alte Feuerwache Mannheim). gespi

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