Veranstaltungen

Bülent Ceylan: „Man muss fühlen, was man spielt“

Archivartikel

Bülent Ceylan spricht im Interview über sein Filmdebüt „Verpiss Dich, Schneewittchen“, das er am 29. März im Cinemaxx präsentiert.

Was lange währt, kommt am 29. März endlich in die Kinos: Bülent Ceylans Leinwanddebüt „Verpiss dich, Schneewittchen“. Den Gedanken daran hat der Mannheimer Comedy-Star schon im Frühjahr 2012 im Interview mit dieser Zeitung geäußert. Seit September 2012 ist klar, dass die Produzenten um Oliver Berben das Projekt für Constantin Film umsetzen werden. Im vergangenen Sommer liefen dann überwiegend in Köln die Dreharbeiten unter Regisseur Cüneyt Kaya („Ummah – Unter Freunden“). Eine derart lange Anlaufzeit ist im Filmgeschäft nicht ungewöhnlich, zumal wenn im Zentrum viel beschäftigte Akteure wie der auf der Bühne und im Fernsehen seit Jahren erfolgreiche 42-Jährige stehen. Mit Co-Hauptdarstellerin Josefine Preuß stellt er die Komödie am Gründonnerstag, 29. März, voraussichtlich ab 19 Uhr im Mannheimer Cinemaxx vor (Vorstellungen ab 20 Uhr). Im Interview spricht Ceylan über seine erste Erfahrung als Schauspieler, mögliche Fortssetzungen und darüber, ob sich seine ursprüngliche Zielsetzung umsetzen ließ.

Herr Ceylan, schon bevor Sie sich 2012 mit Constantin Film über Ihr Leinwanddebüt einig wurden, haben sie dieser Zeitung gesagt, ihr erster Film „soll auf keinen Fall ein Blödelfilm sein, sondern eine Komödie mit tragischen Elementen und etwas Tiefe“. So wie „Das Leben ist schön“, „Ziemlich beste Freunde“ oder „Alles koscher“. Ließ sich der Anspruch umsetzen?

Bülent Ceylan: Auf jeden Fall hat der Film eine richtige Geschichte und auch Emotion. Da reiht sich nicht einfach nur Sketch an Sketch. Meine Figur ist schon auch mal sehr traurig, etwa als ihn seine Band verlassen hat, und er nicht weiß, wie’s weitergehen soll. Ähnlich sieht es nach einer Schmier-Attacke von Nazis auf das türkische Bad seines Bruders aus. Ich bin echt happy mit dem Film, wie er jetzt ist. Noch mehr gemischte Emotion da hineinzupacken, so wie ich es ursprünglich vorhatte – da habe ich mich überzeugen lassen, dass die Fans das nicht so erwarten. Das Argument war „Bülent, du bist Komiker! Da wollen die Fans sich vielleicht schon berühren lassen, aber in erster Linie wollen sie lachen.“ Also gibt es schon auf die Zwölf. Trotzdem geht es in dem Film um ’was.

Worum?

Ceylan: Ich spiele einen Typen namens Sammy, der in dieser Castingwelt, in der wir leben, eigentlich Rockstar werden will, aber den Hamam betreiben muss. Aber seine Schwester, gespielt von Josefine Preuß, animiert ihn, sich mal für eine Castingshow zu bewerben. Beziehungsweise stachelt sie ihn mit Sprüchen an: „Du hast dich schon so oft beworben. Das wird nix mehr.“ Er versucht’s dann noch mal. Aber dabei wird eine Band gesucht. Und Sammy ist Einzelmusiker. Also geht er auf die Suche. Und muss einen etwas rechts eingestellten Deutschen für das türkische Bad einstellen. Der ist der einzige Bewerber und wird genommen, obwohl er den Hamam „Kanakenaquarium“, nennt. Paul Faßnacht spielt diesen Wolle, dessen Massagen sich wie Schlagzeugspielen anhören.

Klingt ja originell...

Ceylan: Wolle wird dann auch Drummer in der Band, der stattliche Mahmut ist seine Trommel. Komplettiert wird die Gruppe von Sammys Schwester Jessi als DJane. So bewerben wir uns, treten unter anderem gegen eine Nazi-Band an, die manche an Frei.Wild erinnert – und Sabrina Setlur zieht dabei als böse Hexe aus der Musikindustrie die Fäden. Sie macht das großartig, so was von authentisch.

Ex-Rap-Superstar Sabrina Setlur, dann noch Eko Fresh als Freund von Jessi – erstaunlich Hip-Hop-lastig für das Filmdebüt eines Comedy-Rockstars, oder?

Ceylan: Ja. Eko Fresh hat auch einen der Songs für den Film geschrieben. Der ist eher rockig (lacht). Im Film sehe ich ihn eher als Schlaffi, das spielt er perfekt. Sabrina aber auch. Man nimmt ihr das total ab.

Apropos Musik: Sie haben ja schon Songs veröffentlicht und lassen es auch auf der Bühne immer musikalisch krachen. Zusammen mit Eko Fresh könnte das ja einen Hit-Soundtrack ergeben. Aber es erscheint gar keine Platte zum Film, oder?

Ceylan: Nein, obwohl wir da von starken Berliner Musikern unterstützt werden, die auch beim aktuellen Liveprogramm mitgearbeitet haben. Es gibt schon ein paar gute Lieder, auch von mir. Und natürlich geht es um eine Rockband, aber das ist kein Musical-Film. Wenn’s zuviel Musik wird – da würde ich abschalten. Wenn die Leute, nachdem sie den Film gesehen haben, sagen: „Die Musik ist so geil, die möchten wir zuhause haben.“ Dann muss man sich das überlegen. Aber wo soll ich die Zeit hernehmen? Ich hab’ ja schon so viele Projekte.

Und jetzt auch noch Schauspielerei. Konnten Sie das aufgrund Ihrer TV-Erfahrung auf Anhieb oder mussten Sie Unterricht nehmen?

Ceylan: Ich habe mir schon einen Schauspiel-Coach genommen: Nick Dong-Sik, einen gebürtigen Südkoreaner. Und Autor des Fachbuchs „Camera Acting. Das Schauspiel-Training“. Der war super. Er hat mir sogar beigebracht, wie man heult. Da habe ich vorher gedacht: „Wie soll ich das schaffen, ohne Zwiebel?“ Mittlerweile kriege ich das gut hin. Aber ich muss mich da voll hineinversetzen. Dagegen kann Burak Yigit, der eine schöne Nebenrolle im Hamam hat, wie auf Knopfdruck weinen – so, schnell, das ist pervers! Ganz krasse Nummer, ein Phänomen. Dafür hätte er einen Oscar verdient.

Kamen Sie denn aus der Emotion auch problemlos wieder raus?

Ceylan: Wenn ich drin bin, bin ich drin – aber so was von! Dann kann ich auch so was von aggressiv sein. Wenn dann einer kommt ... ich hau’ ihm in die Fresse. So druff bin ich dann. Die Leute haben dann schon gefragt, ob ich unter Hypnose stehe. So kam es mir auch vor. Wie unter Hypnose. Aber man muss fühlen, was man spielt. Anders geht es nicht, weil es der Zuschauer sonst sieht. Hinterher muss man die Emotion regelrecht rausschütteln.

Also ist Bülent Ceylan Method-Actor, der sich wie Brando oder de Niro voll und ganz in seine Rolle eintaucht?

Ceylan: Ja. Jetzt verstehe ich einen wie Heath Ledger, der 2008 nach der Rolle als Joker in „The Dark Knight“ an einem Mix aus Schmerz- und Beruhigungsmitteln gestorben ist. Womit ich natürlich nicht sagen will, dass er Selbstmord begangen hat. Aber wenn man so eine düstere Figur verkörpern muss, von morgens bis abends, über drei Monate Drehzeit – das kann einen schon verrückt machen. Da musst du dich von der Rolle erstmal freimachen. Das ist schon eine Kunst: so tief einzutauchen und dann wieder loszulassen. Das sagen auch andere Schauspieler. Denken Sie an Matthew McConaughey, der für „Dallas Buyers Club“ 23 Kilo abgenommen hat. Für meinen Film hat Mahmut-Darsteller Özgur Karadeniz 25 Kilo zugenommen. Der hat richtig gelitten manchmal. Das empfand ich als große Ehre, weil er an den Film geglaubt hat. Und an seine Rolle, als eine Art türkischer Bud Spencer – und als die Trommel in Sammys Band.

Ist der Film eine einmalige Sache oder haben Sie Blut geleckt?

Ceylan: Ich habe definitiv Blut geleckt. Ich würde gerne mehr machen.

Aber nicht nur „Verpiss Dich, Schneewittchen 2“ bis 7?

Ceylan: Nein. Ich hab’ beim Deutschen Filmball Moritz Bleibtreu getroffen und ihm vorgeschlagen, etwas zusammen zu machen. Vielleicht wir beide als Cops, Mit Comedy-Action im frühen Eddie-Murphy-Stil. Da sagte er nur: „Schreiben! Schreiben!“

Und die Karriere als Musiker spielt dann die dritte Geige? Oder gar keine?

Ceylan: Ganz ehrlich: Musik bei der Comedy-Show auf der Bühne gehört für mich dazu. Alles andere lasse ich mir offen. Aber alle zwei, drei Jahre einen Film zu machen, finde ich zurzeit spannender. Wie es weitergeht, hängt natürlich vom Erfolg von „Verpiss Dich, Schneewittchen“ ab.

Wann geht Erfolg los? Ab welcher Besucherzahl?

Ceylan: Man sagt: eine Million Kinozuschauer. Dann ist es ganz sicher ein Erfolg. Aber auch eine halbe Million Besucher ist zurzeit schon sehr, sehr gut. Man kann das heutzutage auch schwer einschätzen.

Sie haben ja bei Ihren Bühnenshows und vermutlich auch bei den RTL-Sendungen letztlich selbst das Sagen. Wie war es für Sie, bei den Dreharbeiten im Sommer quasi fremdbestimmt zu arbeiten, also nach den Anweisungen von Regisseur Cüneyt Kaya?

Ceylan: Na ja, so fremdbestimmt war das nicht, weil ich da schon immer meinen Pfeffer reinbringe. Wenn ich etwas nicht verkaufen kann, im Sinne von „Das bin ich nicht“ – dann mache ich es auch nicht so. Beim Film war es natürlich schon neu, dass der Regisseur der Chef ist. Aber bei meinem Film war es so, dass Cüneyt mich zur Seite genommen und gesagt hat: „Bülent, die hören jetzt natürlich alle auf mich. Du kennst das anders, klar. Also, wenn du etwas anders machen willst, dann sag es mir unter vier Augen, damit’s die anderen nicht mitbekommen.“ (lacht) Aber ich bin ja auch jemand, der lernen will. Das hat mein Schauspiel-Coach auch gut gefunden, dass ich trotz aller Erfolge wie ein Schüler bin.

Facebook-Post: Bülent Ceylan / Trailer: Constantin Film

Zum Thema