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Charakterstudie mit Musik

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Musiktheater: Im Nationaltheater feiert Benjamin Brittens Oper „Peter Grimes“ Premiere

Mannheim.Was wird den Premierenbesucher am Sonntag, 3. November, im Nationaltheater erwarten, wenn die Oper „Peter Grimes“ von Benjamin Britten Premiere hat? Ein naturalistisches Seestück mit kriminalistischem Einschlag oder eine selbstquälerische Innenschau der Protagonisten? Regisseur Markus Dietz wird sicherlich eine schlüssige Antwort finden, und Alexander Soddy die klanggewaltige Partitur mit dem Nationaltheater-Orchester adäquat umsetzen. Die Chöre hat Dani Juris einstudiert.

Der Fischer und die See

Worum geht es in dieser 1945 uraufgeführten, ersten Oper von Benjamin Britten? Das Leben an der Ostküste Englands ist rau, die See fordert einem Fischer alles ab. Peter Grimes braucht Hilfe, das Armenhaus liefert ihm dann und wann einen Lehrling.

Einer kommt zu Tode, doch der Dorfrichter spricht ihn frei, allerdings mit der Auflage, keinen Lehrling mehr einzustellen. Peter Grimes – Heldentenor Roy Cornelius Smith übernimmt die Titelpartie – hält sich nicht daran, Lehrerin Ellen indes, gesungen von Astrid Kessler, hält zu ihm. Doch am Ende kommt es zur Katastrophe, und die Hoffnungen vielleicht vom kleinen ehelichen Glück oder auf bescheidenen Wohlstand durch den großen Fang zerbrechen.

Benjamin Britten vertonte das Libretto von Montagu Slater, das wiederum auf einem 1810 veröffentlichten Gedicht von George Crabbe basiert. Möglicherweise hat Crabbe darin auch seine eigenen Erfahrungen in früher Jugend verarbeitet, als er bei einem Arzt in die Lehre ging, aber überwiegend dessen Landwirtschaft besorgen musste. „The Borough“ heißt das Poem und meint damit ein armseliges Fischerdorf, in dem Bigotterie und Ignoranz den engen Kosmos bestimmen. Ideale Voraussetzungen für Charakterstudien, denn Peter Grimes mag verhärtet erscheinen, er ist aber auch verletzlich. Lehrerin Ellen glaubt, ihn gegen Verdächtigungen schützen zu müssen, aber ist sie möglicherweise durch Zuneigung etwas verblendet?

Im Fadenkreuz dieser Gesellschaft haben es Außenseiter schwer, denn sie sind im Grunde wehrlos.

Wirkmächtige Musik

Von Gastregisseur Markus Dietz, der seine Theaterkarriere als Schauspieler begann, derzeit als Oberspielleiter Schauspiel am Staatstheater Kassel wirkt und sich längst auch als Opernregisseur einen Namen gemacht hat, darf erwartet werden, dass er darstellendes Spiel und wirkmächtige Musik einer veristischen Oper in ein attraktives Verhältnis setzt. Ines Nadler hat die Bühne und Henrike Bromber die Kostüme entworfen, Florian Arnholdt das Lichtdesign.

In weiteren Partien wirken bei dieser Produktion Thomas Berau, Rita Kapfhammer, Natalija Cantrak, Ji Yoon, Raphael Wittmer, Sung Ha, Marie-Belle Sandis, Uwe Eikötter, Ilya Lapich, Marcel Brunner und alternierend Luc Clauß und Philipp Riehle in der stummen Rolle des Lehrlings John mit.

Intendant spielt mit

In der Besetzung erlaubt sich das Team außerdem einen kleinen Gag, denn Opernintendant Albrecht Puhlmann steht als personifizierter Querverweis auf den Dichter in der Rolle des Dr. Crabbe auf der Bühne.

Info: Benjamin Brittens Oper „Peter Grimes“ feiert in der Inszenierung von Markus Dietz am Sonntag, 3. November, um 19 Uhr im Opernhaus Premiere Karten: 0621/16 80 150.

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