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Denkanstoß zur Klimakrise

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Schauspiel: Die Premiere „Siebenundzwanzig Jahre“ bringt 27 Laien auf die NTM-Bühne

Mannheim.Wann führt zu viel Hoffnung zu Nichtstun und zu wenig Hoffnung zu Resignation? Diese Frage beschäftigt Regisseur Gernot Grünewald und sein Ensemble in „Siebenundzwanzig Jahre“ am Nationaltheater (NTM). Die titelgebende Zahl weist auf die Zeit hin, die uns der Wissenschaft zufolge noch bleibt, um die globale Erwärmung auf 2 Grad Celsius zu begrenzen – und die Katastrophe zu verhindern.

Es handelt sich in vielerlei Hinsicht ein unkonventionelles Theaterstück. Neben vier Schauspielern stehen 27 Laiendarsteller auf der Bühne. Die Idee dahinter: Verschiedene Generationen sollen zu Wort kommen und aus ihrer eigenen Realität heraus die Zuschauer mit sich selbst konfrontieren.

Collagen aus Studien

Doch nicht nur die Diversität der Darsteller bringt verschiedene Perspektiven zusammen, auch die kreative Umsetzung der Inhalte ist an Vielfältigkeit kaum zu überbieten. Das Stück hat weder Handlung noch Figuren. Die Darsteller spielen sich selbst, das Skript des Stücks ist teils Collage von Texten aus Studien und Büchern, teils in Zusammenarbeit mit den Jugendlichen und Schauspielern erarbeitet worden.

Musik und Videoaufnahmen dienen als zusätzliche Erzählebenen und auch eine Live-Kamera ist mit von der Partie. Das Projekt zielt damit auf die Verbindung von Fakten und Emotionen, um die Zuschauer im eigenen Leben abzuholen.

Eine Herausforderung, mit der Regisseur Gernot Grünewald bereits vertraut ist. Mit seinen Projekten versucht er, die Trennung zwischen Theater und Wirklichkeit mit Hilfe verschiedener künstlerischer Dimensionen zu überwinden. Die Kombination der unterschiedlichen Schichten sei dabei jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung.

Der Komplexität des Themas entsprechend, bewegt sich die Inszenierung zwischen Utopie und Dystopie, ein Balanceakt, der zurück zur Frage führt: Wie verfällt man auf Basis des Faktischen nicht in Resignation, sondern bewahrt genug Hoffnung, um etwas zu ändern?

Katastrophe aufhalten

Grünewald zufolge besteht die Hoffnung mittlerweile darin, das Ausmaß der Katastrophe zu begrenzen. Das klinge zwar nicht besonders hoffnungsvoll, berge aber eine Verantwortung, die zugleich das Potenzial hat, uns als Gesellschaft im Handeln näher zusammen zu bringen. Dazu solle Theater als eine Art Live-Diskursraum seinen Teil beitragen und Menschen bewegen. Grünewald selbst wurde durch seine Rolle als Vater zur Auseinandersetzung mit dem Thema bewegt. Die Frage „In was für einer Welt sollen meine Kinder leben?“ dürfte auch weitaus mehr Personen beschäftigen. Was hält uns davon ab, die Katastrophe aufzuhalten, in Anbetracht solch persönlicher Beweggründe? Sei es die Angst vor Veränderung und Verzicht, oder der gesellschaftliche Druck, viele Menschen fühlen sich mit der Verantwortung überfordert. Doch selbst wer klimabewusst ist, kommt an moralische Grenzen, gesteht Grünewald. Auch dieses Dilemma findet in der Inszenierung seinen Platz. Auf der Bühne stehen Schüler und Berufstätige, die nicht nur Forderungen stellen, sondern auch fragen, wie man all diese Forderungen erfüllen soll.

Kein Theaterstück könnte darauf wohl jemals eine klare Antwort geben – einen Denkanstoß schon. Genau dazu lädt „Siebenundzwanzig Jahre“ ab dem 14. März im Nationaltheater ein.

Premiere am Samstag, 14. März, 20 Uhr. Aufführungen am 20. und 28. März sowie am 3. und 20. April. Karten: 0621/16 80 150.

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