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Die Revolten inspirieren ihre Kinder

Kabarett: Das Dusche-Trio geht in der Klapsmühl’ mit „Children Of The Revolution“ in den Sommer

Mannheim.Im Jahr 2018 wird’s dem Kabarett „Dusche“ nostalgisch ums Herz. Es jähren sich allerlei Revolten: Karl Marx wird 200, die russische Oktoberrevolution war grad 100 und die berüchtigten 68er, die bekanntlich an Vielem schuld sind oder waren, die den Muff von tausend Jahren aus den Talaren der Professoren pusten wollten, haben jetzt auch schon ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel. Immerhin weilen die so genannten 68er noch mehrheitlich unter uns.

Von Mai bis September

Der Titel des Sommerprogramms, das im Mai, Juni, August und September in der Klapsmühl’ läuft, ist schon allein abendfüllend: „Children Of The Revolution“, frei nach dem Glam-Rock-Klassiker von T.Rex über die Kinder Revolution, oder „Die Avantgarde lässt grüßen – reloaded“. In Wolfgang Marschalls genialen Hirnwindungen ist nun ein Plot entstanden, leicht genug, um als Sommerprogramm durchzugehen, und anspruchsvoll genug, um das durchweg intellektuelle Stammpublikum nicht zu unterfordern.

Außer den beiden Ex-Kommunarden Hans und Fritz – das sind selbstredend die beiden Herren Wolfgang Schmitter und Hans Georg Sütsch - spielen zwei Frauen eine Rolle, die früher Freundinnen waren: Gudrun und Caro. Eine davon gehörte früher zur WG – fragen Sie mich nicht, welche.

Jedenfalls hat Caro – und das ist natürlich die wunderbar wandelbare Josefin Lössl - die beiden Alt-68er zu einer Jubiläumsparty eingeladen, obwohl sie lange keinen Kontakt mehr zu ihnen hatte. Caro hat sich im guten Sinn zu einer engagierten Umweltschützerin weiterentwickelt. Hingegen wird in den hochspannenden Dialogen bald sonnenklar, dass die beiden Ex-Revoluzzer zu angepassten Spießbürgern mutiert sind. Da „bewegt“ sich in mancherlei Hinsicht nicht mehr viel.

Die Frage, ob Gudrun, von der andauernd die Rede ist, auch heute noch leibhaftig erscheinen wird, bleibt spannend bis zum Ende. Hingegen tauchen mehrfach ungebetene Gäste auf, die von versierten Klapsmühl’-Besuchern auf Anhieb erkannt werden. Opa Schmittke (Schmitter) zum Beispiel oder der Verschwörer im Kapuzen-Shirt (Sütsch). Irgendwann erscheint auch eine gewisse Daggi (Lössl), die breitestes Kurpfälzisch redet.

Fliegende Hauskatze

Ein unschuldiger Philodendron wird auf seine halluzinogene Wirkung getestet. Die Hauskatze bildet sich für kurze Zeit ein, sie könnte fliegen. Ein alter Wehrpass, nach dem schon lange kein Hahn mehr kräht, wird feierlich verbrannt. Jürg Hummel hat die lange Nacht inszeniert, und er verrät auch nicht, ob die rätselhafte Gudrun noch auftaucht.