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„Die Sprache hat keine Grenzen“

Schlager: Der Argentinier Semino Rossi erklärt, warum er so gern auf Deutsch singt und in Österreich heimisch wurde

Wenn Semino Rossi Liebeslieder singt, schlagen die Herzen der Fans höher. Der charmante Argentinier geht 2018 wieder auf Tournee, um neues Liedmaterial aber auch Klassiker zu präsentieren. Beim Interview hat er erzählt, weshalb er meistens auf Deutsch singt und warum Österreich inzwischen seine zweite Heimat geworden ist.

Herr Rossi, Sie haben einen großen Anhängerkreis. Bei Auftritten, wie etwa bei der Schlagernacht in Mannheim, werden Sie mit Rosen beschenkt. Wie fühlt sich das an?

Semino Rossi: Es ehrt mich. Wenn eine Frau einem Mann eine Rose gibt, ist es etwas ganz Besonderes. Ein Geschenk von einem Fan ist etwas Besonderes für einen Interpreten. Ich bekomme auch andere Sachen, aber meistens sind es Blumen und Schokolade.

Was erwartet Ihre Fans am 22. Mai im Rosengarten?

Rossi: Ich bereite eine wunderschöne Show vor und versuche, eine Mischung von meiner aktuellen CD „Ein Teil von mir“ zu präsentieren sowie Klassiker, die die Leute von mir kennen. Beispielsweise „Rot sind die Rosen“ und „Aber dich gibt’s nur einmal für mich“. Plus diese lateinamerikanische Mischung, die ich in jeder meiner Shows immer gemacht habe. Die Leute sind auch von mir gewohnt, drei oder vier Lieder auf Spanisch zu hören.

Meistens singen Sie Deutsch.

Rossi: Genau. Ich singe zu 80 Prozent deutsche Lieder, vielleicht ein italienisches Lied sowie drei oder vier Stücke auf Spanisch. Diese Mischung mögen die Leute total gerne. Das letzte Lied mache ich immer solo auf meiner Gitarre.

Was fasziniert Sie an der deutschen Sprache?

Rossi: Ich glaube, die Sprache hat keine Grenzen. Man kann ein Lied auf Japanisch, Deutsch, Spanisch oder Italienisch singen – das Gefühl ist dabei wichtig, wenn man ein Lied interpretiert. Ich empfinde der deutschen Sprache gegenüber große Dankbarkeit. Ohne sie wäre ich nicht dort, wo ich heute bin. Diese Sprache hat mir eine große Tür in meinem Leben geöffnet. Ich hätte nie gedacht, dass ich mit ihr meine Karriere starten könnte.

Ihr Name klingt italienisch. Haben Sie italienische Wurzeln?

Rossi: Ja, mein Opa väterlicherseits stammt aus Piemonte. Semino ist eigentlich mein Familienname. Mein richtiger Name ist Omar Ernesto Semino. Rossi wurde hinzugefügt, da es gut klingt. Italienische Wurzeln habe ich aber auch.

Sind Sie häufig in Italien?

Rossi: Oft, da meine Frau aus Italien stammt, aus Südtirol. Italien kenne ich gut, da ich mit meiner Familie dort oft Urlaub mache. Es liegt auch nicht so weit von Innsbruck entfernt.

Für Sänger ist die Stimme das Kapital. Wie pflegen Sie sie?

Rossi: Ich bin sehr diszipliniert. Und wenn ich auf Tour bin, dann besonders. Ich versuche dann, wenig zu reden und trinke viel Wasser. Ich schlafe so viel wie möglich, da das sehr gut für die Stimme ist. Im Winter gehe ich mit einem Schal ins Freie. Eine Stunde vor der Show mache ich Stimmübungen. Dann versuche ich mit Seele und Herz zweieinhalb Stunden, manchmal drei, für meine Fans ein Konzert zu geben. Wenn so viele Menschen auf dich warten, hat man eine große Verantwortung. Ich möchte kein Konzert wegen Krankheit oder der Stimme absagen.

Sie hatten versucht, sich in ihrer Heimat Argentinien eine Gesangskarriere aufzubauen.

Rossi: Ich hatte versucht, mich als Sänger anzubieten, aber ohne Erfolg. In Buenos Aires hatte ich gefragt, ob jemand einen romantischen Sänger sucht. Deshalb bin ich mit 21 Jahren mit einem One-Way-Ticket nach Spanien geflogen. Dort landete ich am 19. März 1985.

Dort waren Sie zunächst als Straßenmusiker und in einer Bar tätig. Wie unterscheidet sich das Gefühl, vor kleinem Publikum zu singen im Vergleich zu großen Shows?

Rossi: Die Reaktionen sind ganz anders. Wenn in einem Lokal von 20 Leuten keiner oder wenige klatschen, merkt man es sofort. Applaudieren in der SAP Arena 2000 von 10 000 Besuchern nicht, klingt das trotzdem schön. Das sind verschiedene Welten. Die Musik, die ich mache, ist die gleiche für 20 oder 20 000 Menschen, mit den gleichen Emotionen. Ich kann mich erinnern, als ich mal für zwölf Leute mit meiner Gitarre gesungen habe und meine liebe Mama zufällig im Publikum war. Sie fragte: „Warum singst du so hoch und schön für elf Leute?“ Ich sagte: „Ich kann nicht hässlich singen. Egal, ob nur für dich oder für 30 000 Menschen – es ist immer die gleiche Emotion, wenn ich ein Lied interpretiere.

Wie geht Ihre Frau damit um, dass sie von vielen Damen umschwärmt werden?

Rossi: Meine Frau ist Gottseidank nicht eifersüchtig. Am Anfang meiner Karriere ist sie oft mit mir mitgefahren. Bei meinen Touren ist meine Frau immer auf den ersten Terminen dabei und wenn sie Zeit hat, kommt sie vorbei. Gottseidank hat sie vollstes Vertrauen zu mir.

Haben Sie sich auch auf einem Konzert kennengelernt?

Rossi: Ich war in einer Pizzeria in Innsbruck und habe den Chef gefragt, ob ich drei Lieder singen kann. Meine Frau war mit einer Freundin an einem Tisch und hat Pizza gegessen. Nach dem Singen bin ich mit meinem Teller an den Leuten vorbei gegangen. Meine Frau hat mir damals 20 Schilling (1,40 Euro) gegeben. So haben wir uns kennengelernt.

Ist Österreich inzwischen zu ihrer zweiten Heimat geworden?

Rossi: Auf jeden Fall. In Österreich lebe ich seit 30 Jahren und meine Töchter sind dort geboren. Die Liebe zu meiner Frau Gabi hat auch in Österreich begonnen.

Fehlt Ihnen Argentinien trotzdem?

Rossi: Argentinien werde ich immer vermissen. Dort leben meine Mama und mein Bruder. Am meisten vermisse ich es in der Weihnachtszeit, weil ich daran Erinnerungen habe, wie die ganze Familie zusammen beim Essen ist. Oder Silvester. Aber Gottseidank gibt ein Telefon, womit ich jede Woche bei meiner Mama und meinem Bruder anrufen kann.

Bevor Sie Musiker wurden, waren Sie Rettungsschwimmer. Denken Sie daran gern zurück?

Rossi: Ich war drei Jahre lang Rettungsschwimmer im Schwimmbad und am Fluss. Alles, was ich gemacht habe, ist Teil meines Lebens. Aber zurück möchte ich nicht. Ich fühle mich dort, wo ich bin, total wohl. Ich freue mich, dass mein großer Traum in Erfüllung gegangen ist. Ich wollte Sänger werden und ich bin ein Sänger.