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Ein Jahrhundertkünstler

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Kunst: Mit 125 Werken lockt die Kunsthalle Mannheim zur „Inspiration Matisse“

Mannheim.Er sei stolz darauf, sagt Peter Kropmanns, „dass wir bestimmte Werke nach Mannheim bringen konnten, die zuvor nicht lokalisierbar waren.“ Man habe zwar gewusst, dass es sie gibt, sagt er, habe aber ihren Verbleib nicht gekannt.

Kropmanns ist Kurator der am 26. September startenden großen Schau in der Kunsthalle Mannheim. Er spricht von der „Inspiration Matisse“ mit insgesamt gut 125 Kunstwerken, 70 von Matisse.

In ihrer großen Herbstausstellung präsentiert die Kunsthalle einen Jahrhundertkünstler. Matisse inspiriere noch immer, so Kropmanns. Es handele sich auch nicht um eine „rein historische Ausstellung, sondern eine für ein heutiges Publikum“. Für ihn weist Matisse „eine ungeheure Qualität“ auf – als Maler, Bildhauer, Zeichner. „Wir können an ihm festmachen, was gute Kunst ist.“

Speyerer Purrmann dabei

Vor genau 150 Jahren ist Matisse (1869–1954) geboren. Die Kunstgeschichtsschreibung ist sich einig: Matisse hat die Kunst des 20. Jahrhunderts nachhaltig geprägt – in seinem Heimatland, aber auch international. Für Kropmanns war er ein Multitalent, auch weil er in allen Genres arbeiten konnte. Der Kunsthistoriker schwärmt von den ungeheuer kraftvollen Zeichnungen und erstaunlichen Gemälden, „die nicht umsonst berühmt sind, weil sie einzigartig sind“.

Skulpturen und Keramiken sind in der Schau ebenfalls zu sehen. „Die größte Faszination liegt für mich darin, dass er nicht bei einem Erfolgsrezept seiner Kunst geblieben ist“, sagt Kropmanns. Matisse habe immer vorankommen und Neues erfinden wollen – das beweise auch, dass er vor jeder Arbeit Lampenfieber gehabt habe. Für Kropmanns zeichnet das große Künstler aus, dass sie sich nicht auf Lorbeeren ausruhen.

Auch nach Ansicht der Kunsthalle hat „der Ausnahmekünstler“ neue Maßstäbe gesetzt und durch unkonventionelle Malerei verblüfft. Schon um 1905/06 hätten sich „zahlreiche Künstler der Avantgarde von seiner farbtrunkenen, expressiven Malerei inspirieren“ lassen. Darunter auch André Derain, der mit jugendlichem Ungestüm auch umgekehrt auf Matisse Einfluss ausübte.

Deswegen steht nicht nur Matisse im Fokus der Ausstellung, die zumindest das Zeug zum sogenannten Blockbuster, also zu einer sehr publikumsträchtigen Schau, hat. Das Haus am Friedrichsplatz spürt gleichzeitig Matisses Anregungen im Werk geistesverwandter Zeitgenossen in drei zentralen kunsthistorischen Feldern nach: im französischen Fauvismus, im deutschen Expressionismus sowie unter den deutschen Schülerinnen und Schülern der Académie Matisse, die der aus Speyer stammende Maler Hans Purrmann (1880-1966) zusammen mit Matisse aufbaute und der auch in der Schau gezeigt wird.

Ausgehend vom zentralen Thema der menschlichen Figur im Raum, weite sich der Blick auf Landschaftsbilder und mediterrane Szenerien bis zu Porträt und Stillleben, so die Kunsthalle. Zentrale Werke von Georges Braque sind dabei, von Kees van Dongen, Henri Manguin oder Albert Marquet sowie von Ernst Ludwig Kirchner, Alexej von Jawlensky, August Macke, Gabriele Münter, Max Pechstein und schließlich von Rudolf Levy, Oskar, Margarete Moll, und Mathilde Vollmoeller.

„Wir zeigen teilweise Werke, die zuvor noch nie oder letztmals vor hundert Jahren in Deutschland zu sehen waren“, sagt Kropmanns. Das freue ihn für die Besucher besonders, „weil damit ein rares Erlebnis garantiert ist, ein wirklicher Event“.

Info: Dauer: 27.9.19 bis 19.1.20. Eröffnung: 26.9., 19 Uhr. Öffnungszeiten: Di-So/Feiertage 10-18 Uhr,Mi 10-20 Uhr, 1. Mi im Monat 10-22 Uhr. Eintritt: 10/8 Euro.Familien (16 Euro), Abend (6 Euro), 1. Mittwoch im Monat MVVKunstabend (Eintritt frei).

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