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„Ein Manifest des Respekts“

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Interview: Roberto Saccà gibt beim Festlichen Opernabend am Nationaltheater Mannheim in Beethovens „Fidelio“ den Florestan

Mannheim.Roberto Saccà ist ein weltweit gefragter Tenor. Am Sonntag (7.4.) singt er beim Festlichen Opernabend im Nationaltheater Mannheim die Partie des „Florestan“, jenes im Verlies schmachtenden Helden in Beethovens „Fidelio“. Seine Partnerin als Fidelio/Leonore wird Anja Kampe sein. Gerade gastierte Roberto Saccà noch in Paris. In der Seine-Metropole erreichte ihn unsere Zeitung zum Telefoninterview.

Die „Fidelio“-Inszenierung von Roger Vontobel gilt als eigenwillig, war bei der Kritik umstritten. Wie schnell findet man sich als Gastsänger ein in fremde Inszenierungen?

Roberto Saccà: Ich hatte natürlich eine DVD der Produktion, die ich erst in dieser Woche genau studieren konnte, weil ich gerade noch in Paris in „Ariadne auf Naxos“ verpflichtet war. Ganz interessante Sache, eine Inszenierung von Katie Mitchell, die in Aix en Provence im Sommer Premiere hatte. Aber jetzt bin ich ganz auf Beethoven fokussiert und sehr neugierig.

Welche Fallstricke warten in der anspruchsvollen „Florestan“-Partie auf einen Sänger?

Saccà: Zentral ist natürlich die Anfangsarie im zweiten Akt. Da muss man eine gewisse Offenheit im Körper haben, damit man diese spezielle hohe Lage meistert, die ich natürlich von Strauss gewohnt bin. Dazu der deutsche Text in dieser exponierten Lage, aber man kommt recht schnell in diesen „Spirit“ hinein. Es ist wie eine Fieberwahn-Arie. Ich singe es sehr gerne, aber man muss sich gut darauf vorbereiten, das geht nicht mal schnell ad hoc. Man kann sich als „Florestan“ nicht warm singen auf der Bühne, sondern muss sofort da sein. Ich sehe das jetzt nicht problematisch, aber ich muss mich darauf einstellen.

Haben Sie schon mit Fidelio/Leonore Anja Kampe gemeinsam gesungen?

Saccà: Nein, das ist neu für uns, ich kenne sie natürlich von Aufnahmen, aber ich habe sie noch nicht live auf der Bühne gesehen. Aber ich bin sehr gespannt und freue mit auf unseren gemeinsamen Auftritt.

Beethoven war lebenslang unverheiratet, singt aber das Hohelied der Gattenliebe. Wirkt das in unserer Zeit der Unverbindlichkeiten komisch?

Saccà: Ja, vielleicht schon. Aber für mich ist diese Oper ein Manifest für den Respekt gegenüber einer Person. Eine tiefe Empfindung. Klar, es ist ein wenig verkrustet alles, aber Vertrauen aufzubauen und das Vertrauen auch bestätigt zu sehen, ist ein Wert, an dem auch heute festzuhalten mir wichtig scheint. Klar gibt es viele Ablenkungen und Versuchungen, die einem heute leichter gemacht werden als früher, aber die Glückseligkeit, die man da finden kann in der Treue und als Gefühl: Die wird belohnt, wenn man daran arbeitet, das ist für mich Beethovens Botschaft.

Beethovens Ideale der Aufklärung, Freiheit und Menschenrecht, sind sie heutzutage wieder gefährdet?

Saccà: Ja, natürlich. Man sieht und hört das ja in den aktuellen Nachrichten, von Venezuela bis Katalonien oder Osteuropa, es ist unglaublich. Oder die Ungerechtigkeiten, die den Flüchtlingen auf den Booten im Mittelmeer angetan werden, es ist eine ständige Konfrontation, es ist aktueller denn je. Vielleicht ist es eine Utopie zu glauben, dass es eine Besserung geben wird, aber Beethoven sagt uns, dass wir ein positives Menschenbild haben sollten, und diese Hoffnung sollten wir uns bewahren, gerade in einer Zeit, in der täglich Hiobsbotschaften eintreffen.

Sie haben unter anderem bei Aldo Baldin studiert, der viel in Mannheim tätig war. Teilen Sie dessen große Affinität zu den Bach-Kantaten?

Saccà: Ja, natürlich, ich bin damit aufgewachsen. Meine erste Gesangsstunde bei ihm, ich kam aus Stuttgart, war genau gegenüber vom Nationaltheater. Ich konnte ja schon zwei-, dreimal bei den Galas im Nationaltheater mitmachen, da laufe ich dann immer vorbei und erinnere mich sehr gerne an den ersten Kontakt zu Aldo Baldin. Bach ist für einen jungen Sänger das Elixier, und ich durfte das mit großer Freude damals kennenlernen. Aldo Baldin war einer der besten Bach-Sänger seiner Zeit, in einer Liga mit Peter Schreier. Es war für mich eine tolle Schule, von der ich bis heute profitiere: Wie konsequent und sauber man seinen Beruf ausüben sollte.

Sie sind in einem deutsch-italienischen Elternhaus aufgewachsen, welchen Stellenwert hatte dort die Musik?

Saccà: Meine Mutter kommt aus Sachsen und ist mit Bachs Musik, auch seiner Orgelmusik, aufgewachsen. Ich hatte schon als Kind die Möglichkeit, in Stuttgart bei den Hymnus-Knaben mitzusingen, das hatte meine Mutter angestoßen. Mein Vater hat als Sizilianer natürlich die italienische Oper geliebt. Meine Eltern waren keine Profi-Musiker, aber mit einem offenen Ohr für die Musik und haben mir damit einen Weg bereitet, den ich dann auch beschreiten konnte. Deutsche Oratorienkultur und die italienische Seite, Stichwort Belcanto, das war eine gute Sache für mich.

Sie sind ein bisschen in Stuttgart sozialisiert, lieben Sie denn Maultaschen?

Saccà: Aber wie! Immer wenn ich nach Stuttgart komme, sind die Maultaschen ein absolutes Muss. Aber nicht nur in Brühe, man kann sie auch anbraten. Am liebsten esse ich sie zusammen mit Spätzle.