Veranstaltungen

Ein weiblicher Wallenstein

Schauspiel: Elmar Goerden eröffnet mit seiner Sicht auf Schillers Großwerk die NTM-Saison

Mannheim.Er sei ein fleischgewordener Widerspruch: So charakterisiert der Regisseur Elmar Goerden den Feldherrn Wallenstein, dem Friedrich Schiller in seiner gleichnamigen Trilogie wie kein anderer ein Denkmal gesetzt hat. Am Samstag, 16. September, 18 Uhr, ist die Premiere der von Goerden inszenierten beiden Teile "Die Piccolomini" und "Wallensteins Tod" im Nationaltheater (NTM).

Seit 16 Jahren herrscht Krieg in Europa, und Wallenstein genießt beim Heer und vielen seiner Generäle mehr Ansehen als der Kaiser in Wien. Auf dem Gipfel seiner Macht führt er Geheimgespräche mit dem schwedischen Gegner, da ihm die Absetzung durch den Kaiser droht, dem er zu mächtig geworden ist. Soll der in seinem Stolz Gekränkte und Ehrgeizige den Kaiser verraten und mit den Schweden paktieren, die ihm die böhmische Königskrone versprechen, in der Hoffnung den Krieg zu beenden?

Das ist die Handlung, von der jeder weiß, wie sie enden wird. "Sein Fall ist beschlossen und man rutscht unaufhaltsam dem Abgrund zu", konstatiert Elmar Goerden, der fasziniert ist von der "Staatsaktion", wie Schiller sie nannte. Insbesondere aber von der multiplen und zwiespältigen Persönlichkeit Wallensteins als Kriegsunternehmer und Friedensfürst, Familienmensch und Despot, Gewalttäter und Opfer der Umstände. Schiller schnüre da wie kein anderer komplizierte menschliche Knoten, meint der Regisseur und unterstreicht: "Zudem sieht man, wie Politik gemacht wird - und zwar auf eine unsympathische Weise."

Das sei auch heute oftmals so, wenn nicht nach überprüfbaren Prinzipien und einem verlässlichen Kompass, sondern ganz banalen Regungen entschieden werde.

In seiner Inszenierung geht der Theatermann einen neuen Weg. Nicht eine "raumverdrängende Männergestalt" sollte den Feldherrn darstellen. Überhaupt sollte es nicht die übliche Dualität von männlicher Aktivität und weiblichem Leid geben. Elmar Goerdens "Wunsch-Wallenstein" ist Ragna Pitoll. "Sie hat", ist er überzeugt, "das sinnliche Sprachverständnis und -vermögen, um auf der Bühne das Denken zu einem Ausdrucksabenteuer zu machen." Auch von den übrigen Darstellern ist er begeistert: "Sie sind allesamt das Herzstück des Abends."

Und der dauert trotz des gekürzten Original-Schiller-Textes gut dreieinhalb Stunden. "Ich finde es wichtig, dass der Wallenstein auch eine bestimmte Zeit in Anspruch nimmt. Das macht etwas mit dem Zuschauer", ist Goerden sicher, dass dieser "politische Krimi" nicht als langweilig empfunden werde.

Für Elmar Goerden ist es die fünfte und letzte Inszenierung nach "Die Wildente", "Emilia Galotti", "Hamlet" und "Amphitryon" am NTM.