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„Es ist einfach magisch“

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Musical: „Disney Die Schöne und das Biest“ wird von 30. Juli bis 5. August am Mannheimer Nationaltheater aufgeführt

Mannheim.Ob als Zeichentrick-Musical, als Realfilm oder live auf der Bühne: „Disney Die Schöne und das Biest“ hat eine buchstäblich märchenhafte Erfolgsgeschichte geschrieben. Von 30. Juli bis 5. August ist das Budapester Operetten- und Musicaltheater mit seiner deutschsprachigen „Disney Die Schöne und das Biest“-Inszenierung wieder am Mannheimer Nationaltheater zu Gast. Im Interview mit dem „Morgen Magazin“ erzählt der Biest-/Prinz-Darsteller Sándor Barkóczi über das Musical, seinen eigenen künstlerischen Werdegang und die Kraft von Freundschaft und Liebe.

Herr Barkóczi, was war Ihr Eindruck, als Sie sich selbst zum ersten Mal in vollem Kostüm und Make-up als Biest gesehen haben?

Sándor Barkóczi: Als ich mein Kostüm zum ersten Mal anhatte, habe ich gemerkt, dass ich viel schwerer bin als im normalen Leben (lacht). Ich hatte ein wirklich gutes Gefühl damit, als ich in den Spiegel blickte. „Die Schöne und das Biest“ ist eines meiner Lieblingsmärchen.

Wie lange dauert diese Verwandlung und wie kompliziert ist sie?

Barkóczi: Es dauert etwa eine Stunde, um das Kostüm anzulegen und das Make-up aufzutragen. Es besteht aus vielen Teilen, die an meinen Körper drapiert werden – Bänder, Bart, Haare. Oh ja (lacht), es ist recht kompliziert.

Wie haben Familie und Freunde reagiert, als sie Sie zum ersten Mal in dieser Rolle gesehen haben? Haben sie Sie überhaupt erkannt?

Barkóczi: Glücklicherweise konnten sie mich in dem Kostüm überhaupt nicht erkennen, niemand kann das (lacht). Aber nach der Show sagten meine Eltern und meine Freunde: „Wow, das ist so verblüffend!“

Erinnern Sie sich daran, wann sie der Geschichte von „Disney Die Schöne und das Biest“ zum ersten Mal begegnet sind?

Barkóczi: Ich war vielleicht fünf oder sechs Jahre alt, als ich den Film sah. Meine erste Erinnerung, wenn ich daran denke, ist der Anfang des Märchens im Wald, wenn der Erzähler die Geschichte erzählt – das war so fantastisch für mich, als ich ein Kind war. Und das ist es auch heute noch.

Was haben Sie damals, als Kind, über die Figur des Biestes gedacht?

Barkóczi: Soweit ich mich erinnere, war es sehr erschreckend für mich. Das Biest ist so grimmig und wütend, es hat eine sehr unfreundliche Persönlichkeit am Anfang der Geschichte (lacht). Aber aus irgendeinem Grund hatte ich Mitleid mit ihm.

Wie betrachten Sie den Charakter und die Gefühle des Prinzen in der Biest-Gestalt aus heutiger Sicht?

Barkóczi: Nun, er ist eine einsame Person. Er ist selbstsüchtig. Er ist reich an Besitz, aber er hat keinerlei Freunde. Ich glaube, die Geschichte des Biestes zeigt allen, dass sich jeder ändern und ein Mensch werden kann, der lieben und großmütig sein kann. Und dass jeder eine weitere Chance verdient, dies zu zeigen. Und die Wandlung seiner Seele spiegelt sich in seiner physischen Verwandlung wider.

Wie ist es denn, zusammen mit einem lebenden Kerzenleuchter, einer Uhr und einem Teekessel auf der Bühne zu stehen?

Barkóczi: (Lacht) Es ist wunderbar, es ist absolut normal. Natürlich sind wir mit Leib und Seele in der Geschichte. Es ist einfach magisch und eine Freude, das alles zu spielen.

Was ist für Sie der faszinierendste Moment in diesem Musical?

Barkóczi: Hm, wenn das Biest erkennt, dass es in der Lage ist, zu lieben. Mein liebster Teil ist am Ende des ersten Aktes, wenn das Biest seinen Geist und seine Seele öffnet und erkennt, dass es sich ändern muss, weil es nicht mehr in der gleichen Situation wie zuvor verharren kann.

Ist „Disney Die Schöne und das Biest“ vor allem ein Stück für Kinder? Oder können auch die älteren Zuschauer etwas daraus mitnehmen?

Barkóczi: Es ist für jedes Alter, es ist ebenso eine Geschichte für Erwachsene. Mein Ziel ist es, dass auch die Erwachsenen sagen können: Ich habe diese fabelhafte Geschichte gesehen, aus dem Alltag treten und erkennen können, dass auch ich mein Leben verändern kann. Es gibt so viele schlimme Dinge in der Welt, und hinter diesen Dingen können wir Liebe und Freundschaft finden. Denn die andere sehr wichtige Botschaft von „Die Schöne und das Biest“, denke ich, ist die Bedeutung von Freundschaft. Ohne Freunde ist es so schwer zu leben, davon bin ich überzeugt.

Sie haben in frühen Jahren zunächst Piano und Gitarre gelernt – wie kamen Sie dann zum Singen?

Barkóczi: Ich glaube, dass jeder seinen eigenen Weg sucht. Als ich ein Kind war, habe ich mich am Klavierspielen und genauso an der Gitarre versucht. Aber manchmal war ich zu faul zum Üben, ich hatte nicht die nötige Freude aus diesen Instrumenten gezogen. Aber nachdem ich 15 wurde, stieg ich bei einer Band als Sänger ein. Ursprünglich wollte ich darin Keyboarder werden, aber ich war nicht gut genug, also fragten mich die Jungs: „Kannst du singen?“ Ich fing an zu singen, und sie sagten: „Wir haben einen Sänger!“ Es ist eine lustige Geschichte für mich. Danach hatte ich Spaß an der Musik – als Sänger.

Welche Art von Musik haben Sie gemacht?

Barkóczi: Es war eine Rock-Band in der gymnasialen Mittelstufe, sie hieß Franatic. Wir haben Songs von allen klassischen Rock-Bands wie Deep Purple, Metallica, Guns n’ Roses, Gary Moore, Steppenwolf und von vielen ungarischen Rock-Bands gespielt. Wir hatten viel Spaß.

In welchem Moment haben Sie dann gemerkt, dass Sie in den Bereich der Operette und des Musicals gehen wollen?

Barkóczi: Als ich im Alter von 16 Jahren begann, singen zu lernen. Ich lernte verschiedene Stücke, Musicals, Rock-Opern und genauso Operetten kennen. Und ich erkannte, dass ich das gerne auch auf der Bühne tun würde. Ich denke, es war Liebe auf den ersten Blick.

Wie haben Sie Ihre Zeit am Pester Broadway Studio, der Ausbildungsstätte des Budapester Operettentheaters, in Erinnerung behalten? Hat Sie ihr Studium gut auf die Bühne vorbereitet?

Barkóczi: Ich habe so viel über die verschiedenen Genres gelernt, aber meiner Meinung nach kann man am meisten lernen, wenn man die Gelegenheit bekommt, an einer Live-Aufführung mitzuwirken. Natürlich haben wir im Studienprozess in kleinerem Rahmen gestartet, aber wir konnten am Anfang als Statisten an Live-Shows teilnehmen. Es war sehr aufregend. Und damit bekam ich dann auch Routine. Also glaube ich, die Schule hat mich gut auf meinen Beruf vorbereitet. Ich hoffe es wirklich, und das Publikum wird mich immer beurteilen können.

Wie ist es eigentlich, die von Alan Menken für „Die Schöne und das Biest“ komponierte Musik auf der Musicalbühne zu singen?

Barkóczi: Das ist fantastisch. Es kann auf sehr angenehme Weise gesungen werden, das Biest ist eine Bariton-Rolle. Aber was noch wichtiger ist: Es klingt wundervoll, es ist kein Zufall, dass die Musik einen Oscar gewonnen hat. Sie ist so berührend, sie ergreift wirklich deine Seele. Ich schätze es wirklich sehr, dass ich diese Chance vor sechs Jahren bekommen habe und diese Songs singen und ihnen zuhören kann.

Was denken Sie über Menken?

Barkóczi: Er ist wunderbar und außerirdisch. Das ist keine Beleidigung. Er ist einer der talentiertesten Komponisten, der Gefühle und Ausdrücke durch seine Musik exakt vermitteln kann. Das ist so schwer – und so wichtig.

Zur Person 

Sándor Barkóczi studierte zunächst Kommunikations- und Medienwissenschaften an der Eötvös Loránd Universität in Budapest. Als er seine Liebe zum Musical entdeckte, absolvierte er eine Ausbildung als Sänger und Schauspieler am Pester Broadway Studio. 2010 wurde er ins Ensemble des Budapester Operettentheaters aufgenommen. Barkóczi verkörperte die Hauptrolle in „Mozart!“, spielte Prinz Imre in der neuen Version der ungarischen Rockoper „Gott, mit Dir!“ und stellte den Lehrer Kalmár im Musical „Abigail“ dar. In seiner Freizeit ist der Musicaldarsteller ein begeisterter Hobbygitarrist.