Veranstaltungen

Fassbinder im Doppelpack

Archivartikel

Schauspiel: Werkhaus zeigt „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ und „Warum läuft Herr R Amok?“

Mannheim.Einem der prägenden Protagonisten des Neuen Deutschen Films schlechthin, Rainer Werner Fassbinder, widmet sich ein Doppelabend, der dem Mannheimer Nationaltheater am heutigen Donnerstag, 28. November, 19 Uhr, ins Studio Werkhaus steht: Mit „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ und „Warum läuft Herr R. Amok?“ feiern dort zwei Adaptionen der gleichnamigen Werke des Filmemachers Premiere, die von den Nationaltheater-Regieassistentinnen Jennifer Peterson und Leonie Thies inszeniert werden.

In „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ (Regie: Peterson) ringt die namensgebende, in Vergessenheit geratene Schauspielerin in der Nachkriegs-BRD um Anerkennung. „Warum läuft Herr R. Amok?“ (Regie: Thies) zeigt die Entfremdung des Individuums in einer Gesellschaft, die keinen Raum für Eigenheiten lässt.

Gemeinsame Bühne

Die beiden jungen Theatermacherinnen haben zwar bereits jahrelang Erfahrungen in der Tanz-, Theater- und Filmszene gesammelt und auch für das NTM schon Formate entwickelt – Peterson die szenisch choreographische Inszenierung „Female Fantasies“, Thies etwa den interaktiven Theaterparcours „Maßnahme 42“. Aber dies sei die erste Produktion „unter den gleichen Bedingungen und mit gleichwertigen Mitteln, wie andere Regisseure auch arbeiten“, erklärt Peterson.

Neben der gemeinsamen Kostümbildnerin (Tamara Priwitzer) und der Musik von Friedrich Byusa Blam teilen sich beide hierbei auch das von Marina Schutte eingerichtete Bühnenbild. Bei ihr sei die Bühne ein riesiges (unter anderem mit Gartenzwergen gefülltes) Setzkastensystem, berichtet Thies. „Und wir sehen eine Gesellschaft, die absurde Dinge tut, aber sie für selbstverständlich erachtet. Und einen Herr R., der sich darin irgendwann einfach nicht mehr zurechtfindet.“ „Wir haben versucht, die Nöte dieser Figur und das Beziehungsgewirr, das da stattfindet, innerhalb eines Systemwechsels – vom Faschismus zum Kapitalismus oder zur Gründung der BRD – zu greifen und zu erzählen“, sagt Peterson. Aber eben mit theatralen anstatt filmischen Mitteln. Bei „Veronika Voss“ setzen dies Ragna Pitoll, Nicolas Fethi Türksever, Sophie Arbeiter, Samuel Koch, Matthias Breitenbach schauspielerisch in Szene, bei „Herr R.“ Arash Nayebbandi, Tala Al-Deen, Annemarie Brüntjen respektive Robin Krakowski. mav

Info: Der nächste Doppelabend findet am 13. Dezember statt. Die beiden Inszenierungen können aber auch als Einzelvorstellungen besucht werden – „Veronika Voss“ am 1. und 10. Dezember, „Herr R.“ am 8. und 21. Dezember. Tel: 0621/1680 150.

Zum Thema