Veranstaltungen

Furchtbare Verwechslung

Musiktheater: Roger Vontobel zeigt als letzte Opernpremiere der Saison Verdis „Il trovatore“

Mannheim.Es ist eine ungeheure Geschichte, die Giuseppe Verdi und seine Librettisten Salvatore Cammarano und Leone Emanuele Bardare hier erzählen. In Verdis „Il trovatore“, dem 1853 in Rom uraufgeführten Mittelstück seiner Erfolgstrias zusammen mit „Rigoletto“ und „La Traviata“, wurde im Vorfeld eine „Zigeunerin“ verbrannt. Deren Tochter wollte aus Rache das Kind des Muttermörders töten, wirft aber versehentlich (huch) ihren eigenen Spross ins Feuer und zieht das andere, also den Sohn des Mörders, groß.

Er, der Stiefsohn Manrico, verliebt sich in die gleiche Frau wie sein Bruder, den er nicht kennt: Graf Luna. Außerdem ist er auch politisch auf der anderen Seite im Machtkampf um die Krone von Aragon, den sich die Herrschaftshäuser Kastilien und Urgel liefern. Das Ende spitzt sich zu und endet, wie es enden muss: mit dem Brudermord.

Ein Supertrio plus eins

Das alles ist reichlich absurd, unwahrscheinlich und krude, doch Verdi hat daraus eine seiner erfolgreichsten Opern gezimmert. Nun kommt das Werk seit langem einmal wieder in einer Neuproduktion auf die Bühne des Opernhauses am Nationaltheater Mannheim. Der Schweizer Regisseur Roger Vontobel, der am Goetheplatz bereits „Aida“ und „Fidelio“ inszeniert hat und im vergangenen Jahr auch bei den Nibelungenfestspielen für die beste Produktion seit sehr langer Zeit sorgte, zeichnet für die Regie verantwortlich. Nach Ansicht des Tenors Irakli Kakhidze, der dem Manrico einige hohe Cs vermachen wird, ist es Vontobel gelungen, die Geschichte glaubwürdig modern zu setzen.

Für viele Opern von Verdi heißt es, man brauche dafür nur einen guten Bariton, einen guten Tenor und eine gute Sopranistin. Für „Il trovatore“ gilt das allenfalls eingeschränkt, gibt es hier doch noch die zentrale Figur der Zigeunerin Azucena. Doch allein, was das NTM für das Trio aufzubieten hat, ist vielversprechend. Da ist zum einen Miriam Clark, die der doppelt geliebten Frau Leonora eine Stimme geben wird, und dann sind da die Brüder Graf Luna, den Evez Abdulla singt, und Manrico, den Irakli Kakhidze übernimmt.

Azucena wird von Julia Faylenbogen gesungen. Für Kakhidze, so sagte er es im Interview mit dieser Zeitung, ist das psychologisch „eine sehr schwierige Rolle“. Man müsse an so vieles denken, sagt der georgische Tenor. Und dann: „Wie konnte sie nur ihr eigenes Kind in die Flammen werfen und es mit einem fremden verwechseln?“

Für Kakhidze steht fest: Die Frau ist nicht normal. Sie hat Halluzinationen. Man könnte im Setting der Oper freilich auch eine gewisse Fremdenfeindlichkeit ausmachen, schließlich wurde Azucenas Mutter schon wegen angeblicher Verhexung verbrannt. Doch diese Thematik steht keinesfalls im Mittelpunkt der Oper.

Für die musikalische Leitung hat Opernintendant Albrecht Puhlmann sich einen ausgewiesenen Verdispezialisten geholt: Roberto Rizzi Brignoli, der sicherlich im Sound für die entsprechende Italianità sorgen wird. Er verfolge, so der Dirigent, „die Idee eines immer intensiv dramatischen Klanges“, reich an Akzenten, gegliedert und sehr stark dynamisch. Er suche „eine detaillierte Arbeit mit dem Orchester, die das Ziel hat, die musikalische Seite immer auf das gleiche Niveau der Bühne zu stellen“.

Mit „Il trovatore“ verabschiedet sich die Oper am Nationaltheater keineswegs in die Sommerferien. Noch zehnmal wird gespielt – darunter auch das Megaevent „Schloss in Flammen“ am 20. Juli im Ehrenhof des Mannheimer Schlosses.