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Große Stars, neue Sterne

Enjoy Jazz: Gesangsdiva Dee Dee Bridgewater überstrahlt das Programm der Woche

Rhein-Neckar.Man tut gewiss keinem der mitwirkenden Künstler bei Enjoy Jazz Unrecht, wenn man den Auftritt von Dee Dee Bridgewater (Samstag, 12. Oktober, BASF-Feierabendhaus Ludwigshafen) in dieser Enjoy-Jazz-Woche besonders hervorhebt. Die Afroamerikanerin ist ohne Frage einer der großen Stars der Szene – musikalisch höchstklassig und ausgestattet mit dem nötigen Glamourfaktor.

Sie gilt als die kompletteste Sängerin des aktuellen Jazz, beherrscht klassischen Textgesang ebenso souverän wie den instrumentalen Einsatz ihrer Stimme, der weit über traditionelle Scat Vocals hinausgeht. Und sie bringt auch Erfahrungen im freien Jazz in ihre Darbietungen mit ein.

Dazu kommt bei ihr eine theatrale Komponente, die jedes ihrer Konzerte zu einer szenischen Performance werden lässt. Stilistisch ist die Frau eh mit allen Wassern gewaschen: Mississippi-Blues, afrikanische Folklore, Musical-Standards, Swing- und Hardbop-Klassiker – all das hat sie schon auf diversen Alben zelebriert. In Ludwigshafen wird sie ihre jüngste Platte „Memphis …Yes, I’m ready“ vorstellen, auf der sie Klassiker des Südstaaten-Soul und Rhythm ’n’ Blues interpretiert; Stücke wie „I Can’t Stand The Rain“, „Hound Dog“, „The Thrill Is Gone“. Das Feierabendhaus wird beben vor Energie.

„Jazz im Quadrat“-Konzert

Ganz anders präsentiert sich der israelische Pianist Yonathan Avishai: zurückhaltend, subtil, lyrisch, aber mit ebenfalls umfassendem Wissen um die Jazz-Tradition. Er ist eine der großen Neuentdeckungen des Münchner Labels ECM Records, auf dem er die brillante CD „Joys And Solitudes“ veröffentlicht hat. Der hintergründige Klaviervirtuose wird mit seinem exzellenten Trio am Freitag, 11. Oktober, auf Einladung des „Mannheimer Morgen“ in dessen Konzertreihe „Jazz im Quadrat – Hautnah“ im Mannheimer Musikclub Ella & Louis gastieren.

Ein anderer Glanzpunkt: Archie Shepp und Joachim Kühn, zwei charismatische Altmeister des Jazz, adeln das Festival mit einem Duo-Konzert im Heidelberger Schloss (Dienstag, 15., Oktober). Beide sind in den wilden Zeiten des Free Jazz bekannt geworden, beide haben Erfahrungen mit afrikanischer Kultur gesammelt, mit Popmusik experimentiert, und sie sind heute zu Klassikern geworden, deren Musik eine Qualität zeitloser Wertigkeit ausstrahlt. Es wird hochspannend sein, zu verfolgen, wie sich all ihre musikalischen Erfahrungen im Duo verdichten.

Auch sonst ist diese Woche reich an Glanzpunkten: Mit dem Pablo Held Trio stellt sich eines der am meisten gefeierten, abenteuerlichsten Pianotrios der jüngeren Generation vor (Dienstag, 15. Oktober, Ella & Louis), während mit dem libanesischen Oud-Virtuosen Rabih Abou-Khalil, einer der Pioniere des zeitgenössischen Ethno-Jazz auftritt (Mittwoch, 16. Oktober, Friedenskirche Heidelberg). Mit dem italienischen Akkordeonisten Luciano Bondi und dem US-Schlagzeuger Jarrod Cagwin inszeniert Abou-Khalil eine west-östliche Musikfusion, die keine Grenzen kennt. Und sie zeigt, wie weit sich der Jazz als globales Kommunikationsmedium entwickelt hat. gespi

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