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„Ich sehe mich als Glückspilz“

Rock: Songschreiber-Ikone Don McLean spielt am 5. Oktober mit neuem Album in Heilbronn

Heilbronn.Einen berühmteren Song als „American Pie“ wird Don McLean in diesem Leben nicht mehr schreiben. Muss er auch nicht. Der Liedermacher aus dem New Yorker Umland verdient bis heute prächtig an seinem Klassiker. Trotzdem veröffentlicht er weiter neue Musik wie das aktuelle und recht vergnügliche Album „Botanical Gardens“. Und da die Kinder sowie die Ehefrau aus dem Haus sind, liebt es Don McLean auch mehr denn je, auf Tournee zu gehen. Am Freitag, 5. Oktober, ist er in der Festhalle Harmonie in Heilbronn zu hören.

Mister McLean, die Songs auf „Botanical Gardens“ sind neu, und doch klingen sie vertraut. War das Absicht?

Don McLean: Nein, aber aus meiner Haut komme ich nicht raus. Ich schreibe seit fünfzig Jahren Popmusik, die von vielen Menschen gehört werden soll.

Wie ist das Album entstanden?

McLean: Beiläufig zunächst. Ich hatte keinen Plattenvertrag und komponierte so vor mich hin. Ich mochte diesen Zustand der Freiheit sehr. Irgendwann wurde es zielgerichteter, und ich kniete mich richtig rein in diese Lieder. Mir war wichtig, dass jedes Detail so klingen sollte, wie ich mir das vorstellte. Und ich wollte nichts Oberflächliches singen. Sondern Themen und Gedanken ansprechen, die ein bisschen tiefer gehen.

Sie sind am 2. Oktober 73 geworden. Fühlen Sie sich so?

McLean: Ich habe da eigentlich gar kein Gefühl, was das Alter angeht. Ich sehe junge Leute und denke, ich bin einer von ihnen. Und ich sehe Knacker wie mich und spüre dort ebenfalls eine Verbundenheit. Vielleicht habe ich nicht ein einziges Alter, sondern mehrere auf einmal. Körperlich jedenfalls bin ich gesund. Habe letztes Jahr ein EKG gemacht, das Herz läuft gut.

Waren Ihre Eltern besorgt, als Sie Ende der 60er beschlossen, Musiker zu werden?

McLean: Mein Vater starb, als ich 15 war. Wenn er jetzt sähe, was ich erreicht habe, würde er trotzdem sagen „Junge, willst du dir keinen richtigen Job besorgen?“ Er war Schotte.

„American Pie“ wurde bei einer Umfrage zum fünftberühmtesten Song des 20. Jahrhunderts gewählt. Passt das?

McLean: Ich persönlich hätte anders abgestimmt und würde zum Beispiel „Satisfaction“ von den Stones höher einschätzen. Denn der Song ist das beste Rock-’n’-Roll-Statement aller Zeiten.

In was für einer Beziehung stehen Sie nach 47 Jahren zu „American Pie“?

McLean: Tja, wir sind aneinandergekettet, denke ich. „American Pie“ ist praktisch gleichbedeutend mit Don McLean. Der Song ist ein Geschäft und immer noch sehr einträglich. Ich persönlich lebe mit „American Pie“ in einer friedlichen und harmonischen Koexistenz.

Aktuelle Stars wie Ellie Goulding und James Blake haben Ihr zweitbekanntestes Lied „Vincent“, das von Vincent van Gogh handelt, gecovert. Auch Drake hat zwei Ihrer Songs in seine Arbeit eingebaut. Finden Sie das gut?

McLean: Ja, verdammt gut. Mir gehören fünfzig Prozent der Einnahmen von Drakes „Doing It Wrong“, auf diese Weise haben sich die Songs „The Wrong Thing To Do“ und „When A Good Thing Goes Bad“ vom sehr erfolglosen Album „Prime Time“ viele Jahre später doch noch ausgezahlt. Viele Künstler gucken in meinem Katalog nach Inspirationen, das ist eine schöne Sache für mich.

Was finden junge Menschen an Ihrer Musik?

McLean: Die jungen Leute sind heute umgeben von Wut und Hässlichkeit – in der Politik, im Internet, eigentlich überall. Und diese schreckliche Musik erst, laut und repetitiv, nur grässlich. Vieles in den Charts klingt für meine Ohren wie Folter. Aber die Sehnsucht der Menschen nach Schönheit, Würde und Romantik ist ungebrochen und deshalb ist ein Song wie „Vincent“ heute vielleicht noch wertvoller als damals.

Sie waren, zusammen mit Ihrem Kollegen und Freund Pete Seeger, schon ein Umweltaktivist, bevor es die Grünen gab. Wo stehen Sie heute politisch?

McLean: Die Umwelt liegt mir immer noch sehr am Herzen. Ich lebe auf einer großen Farm in Palm Springs, mitten in der Wüste Kaliforniens, es ist herrlich hier, aber doch auch immer trockener und heißer. Ich fand es toll, dass man in den späten Sechzigern in Amerika einfach auf den nächsten Uni-Campus gehen und seine Ideen vorstellen konnte, selbst wenn sie verrückt waren. Heute herrscht mir in vielen Bereichen zu viel Zensur. Die Political Correctness wird übertrieben. Die Aktion #Me Too ist wichtig und richtig. Aber wenn jetzt Leute kommen und sagen: „Vor zwanzig Jahren hat mir der und der an den Arsch gefasst“ – das geht mir zu weit.

Macht Donald Trump Ihnen Angst?

McLean: Nein. Amerika war immer schon ein chaotisches, unorganisiertes Land mit einer unzuverlässigen Gesellschaft. Das Volk verrennt sich manchmal, aber es ist auch sehr widerstandsfähig. Ich bin guter Hoffnung, dass die USA und ihre Bürger auch diese Präsidentschaft überleben werden.