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Im Blut-Kreislauf der Gewalt

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Schauspiel: Regisseur Philipp Rosendahl inszeniert Aischylos’ „Die Orestie“ am Nationaltheater

Mannheim.Gewalt und Schuld und Vergeltung, aus der neue Gewalt und Schuld erwachsen, die nach Vergeltung schreien: Agamemnon, König von Mykene, opfert in Aischylos’ antiker Tragödien-Trilogie „Die Orestie“ seine Tochter Iphigenie, um sich das Kriegsglück gewogen zu machen. Aus Troja zurückgekehrt, erschlägt Klytaimnestra deswegen ihren Mann (und die vom Kriegszug als dessen Sklavin und Konkubine mitgebrachte Seherin Kassandra). Der gemeinsame Sohn Orest sühnt diese Tat, indem er wiederum seine Mutter tötet. Schließlich aber beruft Göttin Athene eine Volksversammlung ein, die über die Schwere von Orests Schuld abstimmen und so dem Kreislauf von Gewalt ein Ende setzen soll. Die vor bald 2500 Jahren erstmals aufgeführte „Orestie“ steht mithin nicht nur am Anfang der europäischen Theatertradition, sondern bezeugt zugleich die Entstehung der Demokratie.

Es gehe darum, „dass Menschen aufeinandertreffen, die versuchen, für sich eine gesellschaftliche Zukunft zu definieren, und eine Form zu finden, wie sie eigentlich miteinander leben wollen und können“, führt Regisseur Philipp Rosendahl die Essenz-Fäden des Dramas zusammen, dessen „Orestie“-Inszenierung am 27. September zum Spielzeitbeginn im Schauspielhaus des Mannheimer Nationaltheaters Premiere feiert.

Nach griechischer Form stehe „jede Figur quasi für eine Position“, die „gegeneinander gestellt und diskursiv verhandelt“ werde. Damit werde der Anspruch verfolgt, „dass man sehr unterschiedliche Perspektiven gleichwertig nebeneinander stellt und sie miteinander diskutieren lässt“, sagt Rosendahl. Im Wesentlichen werde es somit dem Zuschauer überlassen, für welche Seite er sich entscheiden oder welchen Weg er als den richtigen erachten wolle. „Wir haben uns die Pluralität der Stimmen auch in der Umsetzung sehr zu Herzen genommen“, führt der Theatermacher weiter aus. Ursprünglich umfasste Aischylos’ Zyklus vier Teile, doch das abschließende Satyrspiel ist verloren. „Wir haben aber einen vierten wieder hinzugefügt“, allerdings vorangestellt, wie der Regisseur berichtet.

Mithin werde versucht „vier verschiedene Zugänge, vier verschiedene Ästhetiken über den Abend zu erzählen“, jeder Teil besitze eine eigene Spielform oder Spiellogik. Der erste ist eine fragmentarische Textsammlung zur „Orestie“. Darauf folgt ein Teil nach klassischer griechischer Art mit Chören, worauf sich ein psychologischer, „viel mehr auf die Familiengeschichte reduzierter und auch sprachlich schlankerer Spielteil“, und schließlich ein „theatral offener“ Abschluss anschließen.

Rosendahl inszeniert „Die Orestie“ mit den Schauspielern Maria Munkert, Patrick Schnicke, Arash Nayebbandi, Vassilissa Reznikoff, Annemarie Brüntjen, Eddie Irle, Sophie Arbeiter und Boris Koneczny. Die Bühne richtet Benjamin Schönecker ein, die Kostüme stammen von Brigitte Schima. Die Dramaturgie hat Anna-Sophia Güther inne, die komponierte Musik Marco Mlynek.

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