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Keine Zeit für Liebeslieder

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Metal: Interview mit Mat Sinner von Primal Fear / Konzert im MS Connexion Complex

Mannheim.Ein wahrer Sturmlauf auf die Ohren: Die erfolgreiche deutsche Power-Metal-Band Primal Fear hat jüngst ihr zwölftes Studioalbum veröffentlicht und startet am 28. September im Mannheimer MS Connexion Complex ihre „Apocalypse Over Europe“ Tour. Das „Morgen Magazin“ sprach darüber mit Bandgründer und Bassist Mat Sinner.

Herr Sinner, Sie haben das neue Primal-Fear-Album „Apocalypse“ genannt. Man ist geneigt, den Titel mit dem aktuellen Weltgeschehen zu assoziieren – zu Recht?

Mat Sinner: Das ist zu 90 Prozent richtig. Als die Platte entstanden ist, kamen gerade verschiedene Dinge in Gang, die in der Folge nicht viel besser geworden sind. Die haben mich beeinflusst und ich dachte, okay, wenn man schon in der Öffentlichkeit steht und Texte für ein neues Album schreibt: Das ist nicht die Zeit, um zwölf Liebeslieder zu schreiben, sondern um einfach eine kleine Mahnung zu machen, wie schön eigentlich unser Planet ist. Die Natur der Menschen ist halt nicht für den völligen Frieden geschaffen, und die momentanen Machthaber sind auch nicht unbedingt dazu geeignet, hier Kompromisse zu schließen. Und das gab irgendwo die Inspiration zum Albumtitel und zum größten Teil der Texte.

In Deutschland erreichte das Album die Top-10 und stieg in die Charts von zwölf Ländern ein. Die Stimmung in der Band dürfte wohl gut sein?

Sinner: Man freut sich natürlich, wenn man lange im Geschäft ist, versucht, gute Arbeit abzuliefern, im Prinzip sein Hobby zum Beruf gemacht hat und in der ganzen Welt touren kann. Wenn du eine neue Platte machst, weißt du ja nicht, wie die Leute die aufnehmen. Es ist ein Entstehungsprozess, der in einem kleinen inneren Zirkel passiert, dann wird das Ding veröffentlicht und du bekommst das Feedback von den Medien und den Fans. Wobei – ich muss Sie hoffentlich nicht persönlich enttäuschen –, aber die Fans sind uns wichtiger als die Medien. Wenn du die zwölfte Studio-LP machst und hast damit den größten Erfolg in der Karriere der Band – wir haben auch noch 20. Jubiläum –, das ist natürlich schon Anlass und Motivation für die nächsten Schandtaten.

Wie hat sich die Band über diese 20 Jahre hinweg entwickelt?

Sinner: Die drei Menschen, die Primal Fear gegründet haben, sind auch heute noch zusammen auf der Bühne, und das ist im Prinzip die Basis unserer Zusammenarbeit. Dass Primal Fear kein Trio ist, das ist klar, unsere Musik braucht noch weitere Musiker. Aber der harte Kern ist heute noch in der Band und diese Konstanz ist sehr erfreulich. Bei uns war die allererste CD-Veröffentlichung schon ein ziemlich großer Erfolg. Es war für uns ein toller Start und wir konnten unseren Status nach und nach mit kleinen Höhen und Tiefen ausbauen. Wir haben gelernt, dass jeder Liveauftritt wirklich ungeheuer ernst zu nehmen ist und man immer 100 Prozent Leistung abrufen sollte, weil die Leute viel Geld für uns ausgegeben haben. Und das hat uns die ganzen letzten Jahre, nachdem wir immer mehr durch die ganze Welt getourt sind, den Ruf eingetragen, dass wir eine richtig geile Liveband sind.

Sie sind auch Musikalischer Leiter von „Rock Meets Classic“, bei dem Rockstars mit Orchester und Band auf der Bühne stehen. Das zu realisieren, dürfte mit viel Aufwand verbunden gewesen sein?

Sinner: Das war für mich schon ein ganzes Jahr „Learning by Doing“ (Lernen durch Handeln). Auf der anderen Seite hat mir das so viel Spaß gemacht, das Projekt war für mich auch was ganz Neues – tolle Inspiration, tolle Leute. Und deswegen habe ich mich da richtig durchgebissen, um dann zwei oder drei Jahre später langsam souverän zu werden.

Nächstes Jahr ist auch Deep-Purple-Sänger Ian Gillan wieder dabei...

Sinner: Ian Gillan war 2011 eigentlich der Knackpunkt für unsere Veranstaltung, er hat uns auf ein anderes Level von Akzeptanz und auch einen anderen Zuschauerschnitt gehoben. Wir waren über die ganzen Jahre immer in Kontakt, und Ian mag das Format so, dass er immer wieder gern kommt. Und wenn wir jetzt zehnjähriges Jubiläum haben, hat es sich natürlich angeboten und es war auch von uns ganz klar ein Wunsch gewesen, dass er wieder dabei ist.