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Liebe, Krieg und die Schule des Betrachtens und Sehens

Kunst: Das Wilhelm-Hack-Museum ordnet seine Sammlung neu und sagt „Make Love Not War!“

Ludwigshafen.Es ist der große Slogan der Friedensbewegung, und das Wilhelm-Hack-Museum widmet ihm nun eine Kabinettausstellung: „Make Love Not War!“ Es ging damals, vor 50 Jahren, nicht nur um Frieden, sondern um verkrustete Strukturen überhaupt.

„Angeprangert wurden das verstaubte Hochschulwesen sowie die verhärteten Gesellschaftsstrukturen der damaligen Bundesrepublik. Die Große Koalition unter Kanzler Kurt Georg Kiesinger kannte keine nennenswerte parlamentarische Opposition und provozierte eine außerparlamentarische. Der studentische Protest richtete sich gegen die fehlende Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit, die weltweite atomare Aufrüstung und den Vietnamkrieg. Der politische Ausbruch aus den bürgerlichen Zwängen der Nachkriegszeit wurde begleitet von einer sexuellen Revolution.

Die – nicht zuletzt durch die Antibaby-Pille – gewonnene Selbstbestimmung führt zu einem neuen Bild der Frau: kess, sexy, spannend und ziemlich frech.“ So fasst es das Haus am Hans-Klüber-Platz zumindest zusammen. Gezeigt werden Werke von Künstlern wie Hans Peter Alvermann, KP Brehmer, Siegfried Neuenhausen, Gerhard Richter, und natürlich auch Klaus Staeck oder Wolf Vostell. Die Schau eröffnet am Freitag, 10. August, um 18 Uhr und läuft danach bis 18. November.

Zeitgleich zeigt das Museum von Leiter René Zechlin auch die Schau „Bild und Blick – Sehen in der Kunst“, die sich aus den Sammlungsbeständen des Kunsthauses speist. Es ist die rund einmal im Jahr stattfindende Sammlungsschau des Wilhelm-Hack-Museum, die sich aber dennoch eine Thematik setzt.

Die Sammlungspräsentation „Bild und Blick“ präsentiere die vielfältigen Möglichkeiten, die die Kunst des 20. Jahrhunderts für Betrachterinnen und Betrachter bereithalte. So gehe der Weg der Abstraktion mit einer Konzentration auf die malerischen Mittel sowie die Behandlung der Leinwandoberfläche einher. Aus dem Verzicht auf figurative und erzählerische Elemente würden sich neue Formen des Wahrnehmens und Betrachtens ergeben. Die Rede ist hier von gestischen Techniken, die etwa die Illusion eines Raumes hinter der Leinwand erzeugen. Oder streng geometrische Flächen, die den Blick in den eigenen Wirklichkeitsraum zurückwerfen und ab den 1960er Jahren die Betrachtenden sogar dazu angehalten haben, „in eine direkte Interaktion mit dem Kunstwerk zu treten“.

Eröffnung mit Jazzpianist

Diese und weitere Möglichkeiten des Betrachtens werden unter anderem anhand der Werke von Carl Buchmeister, Otto Freundlich, Markus Vater, Raimund Girke, Gotthard Graubner, Frantiek Kupka, Piet Mondrian, Jackson Pollock, Michael Raedecker und Karl Schmidt-Rottluff dargestellt.

Zu Eröffnung beider Ausstellungen spricht Museums-Chef René Zechlin und Kuratorin Julia Nebenführ. Am Jazzpiano sorgt Thomas Jungbluth für Auflockerung. dms