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Nebel, Sturm und Kuhgeläut

Klassik: Beim 4. Akademiekonzert widmet sich Alexander Soddy auch Strauss’ Alpensinfonie

Mannheim.Einen Brocken wie ein Bergmassiv wird Mannheims Generalmusikdirektor Alexander Soddy im 4. Akademiekonzert dirigieren: die rund 50 Minuten währende „Alpensinfonie“ von Richard Strauss, jene schier größenwahnsinnige Tondichtung aus den Jahren 1911 bis 1915, für die der Münchner an die 125 Musiker auf die Bühne befiehlt und sie die Geschichte einer großen und gefährlichen Gipfelbesteigung erzählen lässt.

Wind- und Donnermaschine bietet er dazu auf. Sie sollen im Abschnitt „Gewitter und Sturm“ das gigantische Flattern, Stürzen und Stürmen aus Bläsern, Streichern, Orgel und Schlagwerk mit anarchisch-naturalistischem Zischen und Wuchten ausstaffieren und damit noch echter, noch erlebbarer, noch physischer machen.

Dazwischen läuten Kuhglocken, plätschert Wasser, rauschen Kaskaden und irisieren Visionen durch die Instrumente, es trillert, tiriliert oder poltert martialisch. Atmosphärische Eintrübungen der aufsteigenden Nebel, das Schweben der in Verdüsterung begriffenen Sonne oder die fast clusterartigen Klangschichtungen in der „Stille vor dem Sturm“ – es sind fantastische Klangwelten, die Strauss schuf.

Das durch Gäste verstärkte Nationaltheaterorchester muss da in die Vollen gehen, nur in Riesenbesetzung lässt sich das Katastrophische des Werkes mit emphatischem Entflammen ansteckend umsetzen. Der Mozartsaal des Rosengartens in Mannheim muss am 20. und 21. Januar (20 Uhr) mitunter zittern.

Hingegen wird sich das zweite Werk des Abends, Strauss’ Oboenkonzert eher zart ausnehmen. Das Werk gilt als elegant und so virtuos, dass es dem Solisten, wie das Orchester auch selbst mitteilt, „das Äußerste abverlangt“. Über ganze 57 Takte rankt sich die eröffnende Solokantilene, eine fein gesponnene Gesangsszene, in die nach und nach Viola, Klarinette und Englischhorn als Dialogpartner mit einstimmen. Jean-Jacques Goumaz wird das spielen. Mit ihm setze das NTO die schöne Tradition der Auftritte orchestereigener Solisten fort. Goumaz stammt aus der französischsprachigen Schweiz und ist bereits seit 15 Jahren am Nationaltheater. Der Solooboist gastiert aber auch regelmäßig bei großen Klangkörpern Deutschlands.

Info: Das 4. Akademiekonzert im Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens findet am 20. und 21. Januar jeweils um 20 Uhr statt. Gespielt werden von Richard Strauss (1864–1949) das Konzert für Oboe und Orchester D-Dur und „Eine Alpensinfonie“. Alexander Soddy dirigiert das Nationaltheaterorchester, Jean-Jacques Goumaz ist Oboensolist (Info/Karten: 0621/2 60 44).

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