Veranstaltungen

„Nicht verbissen, sondern lustvoll“

Archivartikel

„Mannheimer Sommer“: Mozart bleibt noch Teil des Festivals, das am 12. Juli mit einer großen Parade und Bürgern startet

Mannheim.Auf Mozart will Jan Dvorák nicht verzichten. Natürlich nicht. Aber die Streichung des Komponisten im Festivalnamen, der jetzt nicht „Mannheimer Mozartsommer“ sondern nur noch „Mannheimer Sommer“ heißt, war ihm wichtig, denn: „Menschen ohne Mozart-Faible sollen bei uns auch auf ihre Kosten kommen – einfach alle, die sich für Musik und Theater interessieren.“ Es sei für ihn am wichtigsten, „dass sich jeder eingeladen fühlt zu diesem Festival, das sich ja Offenheit und Freude auf die Fahnen geschrieben hat.“ Sein Ziel sei es, dass sich junge und alte Besucher, Mozart-Liebhaber und Performance-Freunde, Profis und Laien“ auf dem Festival begegnen und gemeinsam den Abend in und vor dem Theater verbringen.

So sagte Dvorák es im Gespräch mit dieser Zeitung vor einigen Wochen. Jetzt hat die Region einen „Heidelberger Frühling“, einen „Mannheimer Sommer“ und einen „Winter in Schwetzingen“. Fehlt noch, dass sich ein weiteres Festival nach dem Herbst benennt – und die Jahreszeiten wären reichlich bedient.

Egal. Mit Blick auf die am Donnerstag, 12. Juli, beginnende Festivalagenda löst Dvorák den Anspruch jedenfalls schon einmal programmatisch ein. Da beginnt der „Sommer“ gleich mit der Parade namens „The school of narrative dance, Mannheim“, bei der – unter Anleitung der Künstlerin Marinella Senatore – Mannheimer Bürger, Vereine, Clubs und Initiativen gemeinsam von der Kunsthalle zum Nationaltheater ziehen. Es gehe, so verrät Senatores Programm, um den „Dialog zwischen individuellen Lebensgeschichten, kollektiver Kultur und sozialen Strukturen“. Gekoppelt ist der Marsch auf den Goetheplatz mit einer Senatore-Schau in der Kunsthalle.

Mehr oder weniger klassische Konzerte und Opernaufführungen – eine „Don Giovanni“-Premiere und ein „Zauberflöten“-Abend – treffen auf experimentelle Formate, die im Crossover mit den anderen Künsten bis hin zur Popkultur reichen. Insofern kuschelt der Mannheimer Sommer recht unverhohlen mit dem, was die Internationalen Schillertage seit vielen Jahren tun: dem Öffnen zur Freien Szene mit ihrem Akzent auf performative Elemente und Formate.

Dvorák gibt ein Beispiel: „Wenn bei unserem Gastspiel ,Les robots ne connaissent pas le Blues’ die ivorischen Performer der Künstlergruppe Gintersdorfer/Klaßen auf Mozarts „Entführung aus dem Serail“ treffen, dann entsteht ein offener, sinnlicher Raum, der für mich insofern politisch ist, als er diese Vielfalt zulässt und feiert.“ Dvorák will zwar vieles in Frage stellen, aber: „nicht verbissen, sondern lustvoll.“