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„Nie hätte ich das für möglich gehalten“

Film: Interview mit Mark Hamill, der in „Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi“ wieder Luke Skywalker spielt

40 Jahre ist es her, dass Mark Hamill als Luke Skywalker in „Krieg der Sterne“ über Nacht zum Weltstar wurde. Damals war er 26 und eine blühende Karriere stand vor ihm. Doch nach zwei „Star Wars“-Fortsetzungen verschwand der Kalifornier mehr oder weniger wieder von der Leinwand und hielt sich mit kleinen Rollen und als Synchronsprecher über Wasser. Heute ist er 66 und kehrt als gealterter Luke Skywalker zurück. Nach seinem Kurzauftritt vor zwei Jahren in „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ spielt er in „Die letzten Jedi“, dem achten Teil der Sternensaga, als Luke eine Schlüsselrolle. Im Rahmen eines Pressegesprächs mit Filmjournalisten im Berliner Hotel Adlon sprach Hamill über seine Rückkehr in George Lucas’ „Star Wars“- Universum, dessen neuer Teil am 14. Dezember in Deutschland anläuft. Erste Vorstellungen gibt es bereits am Mittwochabend, 13. Dezember.

Mister Hamill, seit Ihrem 26. Lebensjahr kennt man Sie als Luke Skywalker. Mal ehrlich, empfinden Sie dieses Phänomen für sich als Segen oder Fluch?

Mark Hamill: Nie hätte ich das für möglich gehalten, dass Luke Skywalker auch nach 40 Jahren sich noch immer größter Beliebtheit erfreuen kann. Ich dachte immer: „Klar ist der Kerl beliebt, aber irgendwann wird er von jemand anderem abgelöst und er selbst bleibt uns als eine schöne Erinnerung erhalten.“ Die Wahrheit ist aber: Er wurde nie vergessen.

Leider konnten Sie aber mit keiner anderen Rollen je wieder an diesen Erfolg anschließen...

Hamill: Das empfinde ich aber nicht als schlimm. Es ist doch großartig, mit etwas verbunden zu werden, was ganze Familien zusammenbringt. Für mich ist es eine Genugtuung, zu wissen, dass die Kinder und sogar Enkelkinder der ersten Fans selbst „Star Wars“ lieben. So etwas gibt es wirklich nur selten.

Nach über 30 Jahren sind Sie als Luke Skywalker auf die Leinwand zurückgekehrt. Jedoch erinnert Luke im achten Teil „Die letzten Jedi“ mehr an einen Messias als an einen Jedi. Wie sehen Sie das?

Hamill: Er tritt diesmal sicherlich nicht so in Erscheinung, wie ich es anfangs selbst erwartet hätte. Als ich das Drehbuch las, war ich über seine Wandlung mehr als erstaunt. Luke repräsentierte doch stets die optimistischste und hoffnungsvollste Figur im „Star Wars“-Imperium. Doch schon im Trailer wirkt er ganz anders.

Wie interpretieren Sie den Trailer zu „Die letzten Jedi“?

Hamill: Ein guter Trailer verrät nicht zu viel, und wie oft sehen wir Trailer, in denen schon der ganze Film erzählt wird. Da fehlt dann nur der Abspann. Aber in diesem Fall kommt nur ein Punkt aus der Story heraus: Für die Jedi ist die Zeit gekommen, ein Ende zu finden. Ich war über den Trailer selbst geschockt. Was ist bloß mit dem Jedi passiert, wie wir ihn kannten?

Begrüßen Sie diese Veränderung Ihrer Figur oder lehnen Sie es eher ab?

Hamill: Wenn ich darüber so nachdenke, ist ja eines der Probleme, eine Filmserie weiterzuführen, dass man den Zuschauern einerseits wieder das anbieten möchte, was sie damit verbinden. Wie etwa die Figuren, Action und Humor. Andererseits soll sich nichts wiederholen. Das Publikum soll mit einem neuen Film auch wieder herausgefordert werden. Deshalb war auch „Das Imperium schlägt zurück“ vor 37 Jahren so erfolgreich. Der Film hatte mehr Tiefgang als sein Vorgänger und war spiritueller und surrealer. Da wurde nicht einfach „Krieg der Sterne“ einfach noch mal gedreht.

Genauso wünscht man sich doch Fortsetzungen...

Hamill: Ja, auch wenn mich mein Auftritt im Trailer überrascht hat, bleibt man seiner Figur gegenüber sehr besitzergreifend. Da hörte ich mich sagen: „Das würde Luke doch niemals tun oder von sich geben.“ Aber es ist nun mal nicht der Film von Mark Hamill, sondern der von Rian Johnson. Doch auch wenn Luke jetzt wie ein weiser Mentor wirken sollte, ist es mir sehr wichtig, dass er nicht als der neue Obi-Wan Kenobi hingestellt wird. Denn ich will mich nicht mit Alec Guinness messen, an den ich niemals heranreichen würde. Um das zu umgehen, wurden zum Glück radikalere Ideen ausgearbeitet, die sich auf den gesamten Film auswirken.

Das müssen Sie uns bitte erklären...

Hamill: Nun ja, die Leute fragen gerade oft, ob sich „Die letzten Jedi“ als der mittlere Film der neuen Trilogie mit „Das Imperium schlägt zurück“ vergleichen lässt. Da muss ich sagen, mich erinnert der neue „Star Wars“ weder an „Das Imperium“ noch an „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. Ich glaube, es ist wirklich ein ganz eigenständiger Film geworden. Interessant ist, dass die Szenen mit mir im völligen Kontrast stehen zu denen mit den anderen Figuren. Aber ich darf an dieser Stelle nicht zu viel verraten, zumal ich auch noch nicht den ganzen Film sehen konnte. Meine Szenen habe ich sogar nur in Schwarzweiß gesehen. Das hat mir aber gefallen und erinnerte mich an den ersten „King Kong“-Film von 1933. Ich sagte sogar zu unserem Regisseur Rian Johnson: „Hey, das sieht toll aus, das sollten wir als Bonus auf die spätere DVD-Veröffentlichung packen.“ Wahrscheinlich geht es aber nur mir so.

Alle brennen darauf, zu erfahren, wie es im neuen Film mit Luke Skywalker weitergeht, nachdem er am Ende des letzten Teils „Das Erwachen der Macht“ sein altes Lichtschwert wiederbekommt. Was tun Fans so alles, um von Ihnen Informationen zu bekommen?

Hamill: Ja, die Fans sind sowas von enthusiastisch. Sie wollen jede Nichtigkeit wissen und glauben anscheinend, ich würde mich den ganzen Tag mit nichts anderem als diesem Thema auseinandersetzen. Wer mich Zuhause besucht, wird kein einziges Erinnerungsstück von „Star Wars“ finden oder darauf kommen, dass ich damit überhaupt irgendetwas zu tun hätte.

Haben Sie denn schon mal eine Convention besucht?

Hamill: Selbstverständlich! Du kommst an und steigst aus dem Wagen und wirst gleich von 2000 Fans begrüßt. Was mich dabei immer wieder erstaunt, ist der Austausch der Fans untereinander, wenn sie davon erzählen, wie „Star Wars“ ihr Leben beeinflusst hat. Das ist unglaublich. Allerdings gibt es eine Sache, die man niemals tun sollte, wenn man vor 2000 „Star Wars“-Fans steht. Man sollte niemals sagen: „Es ist nur ein Film.“ Ich hatte diesen Satz mal gewagt zu sagen, während ich irgendetwas erzählte – und war plötzlich einer Lawine von Protesten und Schreien ausgesetzt.

Wie haben Sie reagiert?

Hamill: Ich sagte: „Hey beruhigt euch, ich gebe nur etwas wieder, was George Lucas während den Dreharbeiten zum allerersten Film immer wieder sagte, wenn ich Nachfragen hatte und irgendetwas nicht verstanden habe: ,Lass uns das jetzt so machen. Es ist nur ein Film.’“ George ist damit durchgekommen, aber ich werde diesen Satz nie wieder von mir geben.

Gewiss hat Luke Skywalker Ihr Leben vor 40 Jahren komplett umgekrempelt. Glauben Sie, dass wird jetzt nach Ihrer Rückkehr noch einmal passieren?

Hamill: Nein, denn ich habe ja kapiert wie so was abläuft und bin nicht mehr so grün hinter den Ohren wie damals. Wirklich, ich dachte 1977, wir hätten hier einen lustigen Film gedreht, der vielleicht 30 Millionen Dollar einspielen wird, so wie einst der Science-Fiction-Film „Planet der Affen“ mit Charlton Heston. Aber ich hatte natürlich keine Ahnung, und es erfasste uns wie ein Hurrikan.

Wann bekamen Sie 1977 mit, dass „Krieg der Sterne“ gerade alle Rekorde bricht?

Hamill: Carrie Fisher, Harrison Ford und ich waren in Kanada, um dort den Film zu promoten, der gerade in den USA in den Kinos angelaufen war. Bei unserer Rückkehr in Chicago bemerkten wir, dass am Flughafen Menschenmassen standen. Wir schauten uns nochmals um, weil wir dachten, vielleicht ist ja Mick Jagger mit an Bord gewesen. Dann entdeckte ich eine, die genauso gekleidet war wie Prinzessin Leia und dann auch jemand, der wie Luke Skywalker aussah. Wir waren total überrascht, denn dass sich Fans sogar wie die Figuren im Film kleiden würden, hätten wir niemals erwartet.

Carrie Fisher ist vor fast einem Jahr von uns gegangen. Das muss auch für Sie ein schmerzlicher Verlust sein...

Hamill: Absolut! Den nächsten Film zu drehen wird mich nicht glücklich machen. Für Carrie lief doch gerade alles gut, sie war für einen Emmy nominiert und es war geplant, dass sie dann im nächsten „Star Wars“ einen noch größeren Part erhalten sollte, weil sie in „Die letzten Jedi“ ihre Rolle so wundervoll gespielt hatte. Man wird sie nicht ersetzen können. Aber ich kannte Carrie, wäre sie jetzt hier, würde sie mich zum Lachen bringen. Das hatte sie mit ihrer leichten Art immer geschafft. Ich werde sie für immer vermissen.