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Niederländische Wirrungen

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Oper: Die deutsche Erstaufführung von „Writing to Vermeer“ feiert in Heidelberg Premiere

Heidelberg.Wir schreiben das Jahr 1672: Der französische König Ludwig XIV. hat mit seinen Verbündeten die Niederlande angegriffen und damit den niederländisch-französischen Krieg ausgelöst. Mit ihm kam der wirtschaftliche Zusammenbruch, der auch die finanziell zuvor gut gestellten niederländischen Maler traf. Einer von ihnen war der holländische Barockmaler Jan Vermeer van Delft (1632 - 1675), auch genannt Johannes Vermeer.

Er ist die zentrale Person der Oper „Writing to Vermeer“ von Louis Andriessen. Die erste Inszenierung der Oper wurde 1999 in der Dutch National Opera in Amsterdam gezeigt. Zum ersten Mal überhaupt ist das Werk des Niederländers nun in Deutschland zu sehen. „Ich freue mich sehr auf diese kommenden Aufführungen“, sagt der 1939 in Utrecht geborene Komponist. In seiner Komposition verbindet er die eigene musikalische Sprache mit der des Barock, lässt sich bei seiner Arbeit aber auch von Charles Ives und Igor Strawinsky inspirieren.

Eine besondere Hauptfigur

Mit „Writing to Vermeer“ vertont der 78-Jährige bereits zum zweiten Mal ein Libretto des englischen Filmregisseurs Peter Greenaway. „Wir hatten bereits bei meiner vorherigen Oper ,Rosa, a Horse Drama‘ und bei einem Fernsehkurzfilm zusammengearbeitet“, sagt Andriessen.

Dass Johannes Vermeer in „Writing to Vermeer“ die Hauptfigur sein soll, überrascht auf den ersten Blick ein wenig, denn so richtig kommt er in der Geschichte eigentlich gar nicht vor. Er selbst reist nämlich nach Den Haag, und die in seinem Haushalt lebenden Frauen – Ehefrau Catharina Bolnes (Hye-Sung Na), Schwiegermutter Maria Thins (Elisabeth Auerbach) und Model Saskia de Vries (Irina Simmes) – schreiben ihm in dieser Zeit jeweils sechs Briefe.

Es geht um Alltägliches im Haushalt, die Sehnsucht nach Vermeer und um die vom Kriege gezeichnete Außenwelt. Nach außen hin passiert zwischen den Frauen nicht viel, doch unter der scheinbar harmonischen Oberfläche brodelt es gewaltig.

Bei der Heidelberger Inszenierung von „Writing to Vermeer“ handelt es sich in mehrfacher Hinsicht um eine Premiere: Es ist nicht nur die deutsche Erstaufführung, auch der Regisseur ist zum ersten Mal in Heidelberg: Johannes von Matuschka stellt sich mit dieser Inszenierung am Theater und Orchester Heidelberg als Regisseur vor. Das Philharmonische Orchester Heidelberg wird geleitet von Dietger Holm. Zudem unterstützt der Damenchor zusammen mit Mitgliedern des Kinderchors und Kinderstatisten die Solistinnen auf der Bühne. tge