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Schubkärchler und „Glühschoppen“

Brauchtum: In Bad Dürkheim wurden einst die vier Adventswochenenden festgelegt / Jurte der Pfadfinder

Bad Dürkheim.Keine andere deutsche Stadt ist mit dem Begriff „Advent“ so eng verbunden wie die pfälzische Kurstadt Bad Dürkheim, wo es in diesem Jahr an vier Wochenenden zum vierten Mal den „Dürkheimer Advent“ gibt. Denn vor nun genau 981 Jahren – im Jahr 1038 - wurde in der damals gerade von einer Burg zum Kloster umgebauten Benediktinerabtei Limburg hoch über Bad Dürkheim in einer Synode festgelegt, dass es in der Vorweihnachtszeit genau vier Advents-Sonntage geben soll. Bis dahin dauerte die Adventszeit in den Regionen Europas drei, vier oder fünf Wochen – je nach Liturgie konnte es sogar sieben Adventssonntage geben.

Das ärgerte den damaligen Kaiser Konrad II. gewaltig. Denn als er auf dem Heimweg von Burgund nach Deutschland im November 1038 bei seinem Onkel Wilhelm, Bischof von Strasbourg, Quartier nahm, feierte dieser am 26. November den ersten Advent – nach Ansicht des Salier-Kaisers eine Woche zu früh. Denn der war darauf eingerichtet, eine Woche später am 3. Dezember nach Ankunft auf der Limburg den ersten Advent zu feiern. Konrad ließ nach dem „Strasbourger Adventsstreit“ sofort noch im Dezember eine Synode auf der Limburg zusammentreten, die für klare Verhältnisse sorgte: Den ersten Adentssonntag gibt es seitdem weltweit frühestens am 27. November und spätestens am 3. Dezember.

Lange nichts Zentrales

Darüber denkt heutzutage allerdings kaum noch jemand nach. Und jahrelang gab es ausgerechnet in Bad Dürkheim – im Gegensatz zu anderen pfälzischen Städten wie Neustadt, Speyer oder Landau – nicht einmal einen zentralen Weihnachtsmarkt.

Erst vor vier Jahren fanden sich auf Initiative der Stadtverwaltung Vereine und Gruppen zusammen, um in der Kurstadt Vorweihnachtsstimmung aufkommen zu lassen. Auf dem Römer- und Ludwigsplatz, im Oberen Kurpark und in der Kurgartenstraße sind rund 50 Aussteller vertreten. Skatclub und Junge Union, Sportvereine wie FC Leistadt und RW Seebach, Trachtengruppe und Rotes Kreuz, DLRG-Jugend und Jungwinzer – insgesamt 24 Organisationen – teilen sich auf dem Römerplatz zwei Schubkarchstände, wie sie auf dem Wurstmarkt bekannt sind, und schenken dort Glühwein und heißen Traubensaft aus. Die „Schubkärchler“ sind – für Dürkheim-Kenner kein Wunder – das Zentrum des Adventsmarktes. Zwischen beiden Schubkarch-Ständen gibt es am 22. Dezember um 11 Uhr eine Premiere der ganz besonderen Art: Einen „Literarischen Glühschoppen“, inhaltlich angelehnt an den „Literarischen Frühschoppen“ beim Wurstmarkt im September.

Von zentraler Bedeutung eher für Kinder und Jugendliche ist auf dem Römerplatz eine Pfadfinder-Jurte, in der es Programm für die Jugend gibt. Für die ganz Kleinen ist eine „Wichtelwerkstatt“ eingerichtet, wo an den je drei Öffnungstagen pro Wochenende von 11 bis 19 Uhr gelesen, gebastelt und gesungen wird. In und an den Kirchen wird Musik geboten – vor dem Portal der St. Ludwigs-Kirche (Samstag) und auf der Bühne der Pfadfinder-Jurte (Freitag). Das meiste Interesse wird aber den rund 50 Ausstellern gelten – Kunsthandwerkern, Köchen und vor allem Gastronomen. So gibt es Wild und Waffeln, Käse vom Laib und Flammlachs, Stockbrot und Flammkuchen.

Der „Dürkheimer Advent“ ist an den Advents-Wochenenden freitags von 16 bis 21 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 21 Uhr geöffnet.

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