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Selbstquälerische Konflikte

Schauspiel: Nach Mannheim spielt auch Heidelberg Schiller – „Don Karlos“ hat jetzt Premiere

Heidelberg.Wenn Liebe auf Machtinteressen trifft und Leidenschaft auf kalte Realpolitik, dann ist der Teufel los. So auch in „Don Karlos“, dem dramatischen Gedicht in fünf Akten von Friedrich Schiller. Don Karlos, der einmal den mächtigen Papa Philipp II. beerben soll, hat andere Ansichten als der, wie man mit der Provinz Flandern umgehen sollte. Die Aufmüpfigen dort, unter anderem geht es um Religions- und Meinungsfreiheit, setzen große Hoffnungen auf ihn. Doch jetzt kommt dem idealistischen jungen Mann die heiße Liebe dazwischen – zu Stiefmutter Elisabeth. Denn die war mal verlobt mit ihm, hat aber den Vater geheiratet. Damals, im 16. Jahrhundert, war Heiraten ein Instrument von Machtinteressen, das Gefühl hatte hintan zu stehen.

Es kam, wie es kommen musste: Marquis von Posa, der Jugendfreund, will dem liebestollen Jüngling beistehen, aber auch die Interessen Flanderns vertreten. Dann spinnt die eifersüchtige Eboli ihre Intrigen, und der skrupellose Herzog von Alba fürchtet um seinen Einfluss am spanischen Hof. Klar doch, da ist die Katastrophe unausweichlich. „Don Karlos“ erzählt von idealistischen Forderungen nach Meinungsfreiheit und Menschenrechten genauso wie von verunglückter Liebe – vor allem aber von einem politischen System voller Abhängigkeiten und Unfreiheiten, die niemanden verschonen.

In der Heidelberger Neuinszenierung führt Isabel Osthues Regie. Sie hat hier schon einige Male auf sich aufmerksam gemacht, unter anderem mit „Katzelmacher“, „Hexenjagd“ oder „Glückliche Zeiten“. Bühne und Kostüme gestalten Jeremias Böttcher und Mascha Schubert, Videos Martin Eidenberger und Musik Timo Willecke. Die Titelfigur ist Raphael Gehrmann anvertraut; es spielen zudem Michael Benthin (Philipp II, König von Spanien), Sophie Melbinger (Königin Elisabeth), Benedict Fellmer (Marquis Posa), Lisa Förster (Prinzessin Eboli) und weitere Ensemblemitglieder. 

Info: Premiere: Sa, 13.10., 19.30 Uhr, Marguerre-Saal (Info: 06221/5 82 00 00).